Keiner zu alt, um Sprachen zu lernen

Sprachaufenthalte für Menschen 50plus boomen. Immer mehr «Best Agers» nutzen ihre Zeit und Ressourcen, um Reisen mit Weiterbildung zu verbinden. Schweizer Spezialisten bieten weltweit Programme an, die Unterricht mit einem sorgfältig kuratierten Kultur- und Ausflugsprogramm kombinieren.

Wozu brauchen Menschen in der zweiten Lebenshälfte überhaupt spezielle Sprachreiseprogramme? Lernen sie langsamer, sind sie schwerer von Begriff? Pädagoginnen und Pädagogen widersprechen. Entscheidend ist weniger das Alter als die Lernumgebung. Viele Sprachschulen haben deshalb Angebote entwickelt, die auf Tempo, Interessen und Reisestil der Generation 50plus zugeschnitten sind. «Viele Kundinnen und Kunden erzählen uns, dass sie sich in einer Gruppe Gleichaltriger wohler fühlen», sagt Claudio Cesarano, CEO der Media Touristik AG, zu der auch «Linguista Sprachaufenthalte» gehört. Seine Firma gehört zu den Schweizer Pionieren im Segment 50plus. Verschiedene Anbieter in der Schweiz arbeiten heute mit Sprachschulen rund um den Globus zusammen und bieten Programme an, die Unterricht, Unterkunft und Freizeit aus einer Hand organisieren.

50plus-Sprachaufenthalte unterscheiden sich weniger in der Qualität des Unterrichts als im Gesamterlebnis. Oft lernen die Teilnehmenden in kleinen Gruppen mit Gleichgesinnten, das Lerntempo ist flexibel, und der Fokus liegt stärker auf Kultur, Aktivitäten und Austausch. Wichtig ist auch die Beherbergung. Ob Hotel, Ferienwohnung oder Gastfamilie, die meisten Gäste legen Wert auf Komfort, Privatsphäre und ein eigenes Badezimmer. Hinzu kommt ein sorgfältig zusammengestelltes Freizeitprogramm mit Sightseeing und Wanderungen, Koch- oder Malkursen, Yoga, Golf, Museumsbesuchen oder Konzerten.

Kochkurs auf Sprachreisen

Foto: Shutterstock

Die Programme richten sich an Menschen, die Lernen und Erleben verbinden möchten. Über die Jahre haben sich diese parallel zur steigenden Nachfrage nach individuellen und hochwertigen Bildungsreisen weiterentwickelt. Heute ist es selbstverständlich, dass Sprachkurs, Exkursionen und gemeinsames Unterwegssein aufeinander abgestimmt sind. Übersetzungs-Apps und digitale Tools mögen das Reisen erleichtern – echte Kommunikation ersetzen sie nicht. Wer eine Sprache vor Ort spricht, gewinnt Sicherheit, versteht kulturelle Nuancen besser und kommt leichter mit Menschen ins Gespräch.

Englisch mit Rosamunde

Die Nachfrage in der Schweiz konzentriert sich auf die klassischen Weltsprachen Englisch, Italienisch, Spanisch und Französisch, wobei die englische Sprache bei vielen 50plus-Gästen zuoberst auf der Liste steht. Dabei muss es nicht immer London sein: Angeboten findet man in historischen Universitätsstädten wie Chester, York oder Oxford ebenso wie in Seebädern an der englischen Südküste – etwa in Bournemouth, Brighton, Torquay oder Eastbourne. Von der Kleinstadt Totnes in der Grafschaft Devon aus lassen sich beispielsweise die sanften Hügellandschaften und Dörfer erkunden, ebenso wie die Schlösser und Herrenhäuser, die man aus den Verfilmungen der Romane von Rosamunde Pilcher kennt.

Totnes in der Grafschaft Devon, Grossbritannien.

Foto: visittotnes.co.uk

Irland ist ebenfalls beliebt. Auf der Grünen Insel kommen Naturfreundinnen und Naturfreunde, Bier- und Whisky-Liebhaber sowie all jene auf ihre Rechnung, die sich an Legenden und Geschichten ergötzen, die zu später Stunde in Pubs und Tavernen erzählt werden. Burgen und Schlösser, malerische Dörfer und lebhafte Städte zeugen von der bewegten Geschichte. 50plus-Sprachaufenthalte werden unter anderem in Dublin und in Galway angeboten, einer lebhaften Universitätsstadt an der Atlantikküste im Westen Irlands.

Englischkurse für die Altersgruppe 50plus finden sich darüber hinaus in Edinburgh, der Hauptstadt Schottlands, auf der Mittelmeerinsel Malta sowie an ausgewählten Schulen in den USA. Auch Fernziele sind möglich. Programme werden unter anderem in Honolulu auf Hawaii, in Nelson auf der Südinsel Neuseelands oder im südafrikanischen Kapstadt angeboten.

Aussicht Edinburgh, Schottland.

Foto: Artur K. Vogel

Spanisch in Andalusien

Spanien gehört seit Jahren zu den beliebtesten Reiseländern für Sprachaufenthalte – nicht nur wegen Sonne und Stränden, sondern auch wegen Küche, Wein, Fiesta-Kultur und reicher Geschichte. Für die Generation 50plus werden Kurse in zahlreichen Städten angeboten: in Metropolen wie Madrid, Barcelona und San Sebastián ebenso wie in den alten andalusischen Städten Sevilla, Málaga oder Cádiz.

Sprachschule in Sevilla

Foto: Artur K. Vogel

Daneben gibt es weniger bekannte Orte, die einen ruhigeren Rahmen bieten. Nerja etwa ist ein vom Massentourismus weitgehend verschont gebliebenes, typisches andalusisches Städtchen auf einer Felsenklippe an der Costa del Sol, rund 90 Kilometer südlich von Granada. Die Region lockt mit mildem Klima, langen Sandstränden, klarem Wasser und fast tropischer Vegetation. Sprachschulen liegen hier oft in der Nähe der Altstadt, an sonnigen Tagen verlagert sich der Unterricht nicht selten in den Garten.

Die geschichtsträchtige Hafenstadt Cádiz bietet wiederum viel Abwechslung, kulturell ebenso wie kulinarisch. Auf dem Programm stehen etwa Flamenco-Vorführungen, Kochkurse, Weindegustationen oder Besuche von Sherry-Bodegas in Jerez de la Frontera. Exkursionen in den Nationalpark Coto de Doñana oder in weisse Dörfer wie Vejer de la Frontera zeigen eine andere Seite Andalusiens. Wer gerne weit reist, findet 50plus-Sprachaufenthalte auch ausserhalb Europas, etwa in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires oder an der Pazifikküste in Samara in Costa Rica.

Aussicht auf Cadiz, Stadt in Spanien.

Foto: Artur K. Vogel

Französisch an Meer und Fluss

Auch Französisch geniesst bei Reisenden aus der Schweiz einen hohen Stellenwert – sei es als Nachbarsprache oder als Schlüssel zu frankophonen Kulturen weltweit. Viele Programme für ältere Semester führen nach Frankreich. Beliebt sind Nizza an der Côte d’Azur, die mediterrane Universitätsstadt Montpellier oder Aix-en-Provence, die Stadt des Malers Paul Cézanne.

Wer lieber den Norden erkundet, findet Kurse in Rouen, der Hauptstadt der Normandie, in Vichy mit seinen Belle-Époque-Fassaden oder in La Rochelle an der Atlantikküste. Je nach Standort kombinieren die Schulen den Unterricht mit Stadtführungen, Marktbesuchen, Ausflügen in umliegende Dörfer oder Degustationen regionaler Spezialitäten. So wird das im Kurs Gelernte direkt im Alltag angewendet, etwa beim Bestellen im Restaurant, beim Einkauf auf dem Wochenmarkt oder beim Gespräch mit Gastgeberinnen und Gastgebern.

Aussicht auf die Stadt Montpellier.

Foto: adpic

Italienisch im Pfarrhaus

Italienisch darf im Programm vieler 50plus-Sprachreisender nicht fehlen. Klassiker wie Rom, Florenz, Salerno oder Taormina auf Sizilien stehen weit oben auf der Wunschliste. Hier lässt sich das Lernen ideal mit Kunst, Geschichte und Dolce Vita verbinden. Wer es ruhiger mag, findet auch ländliche Orte, in denen der Sprachkurs mit einem fast familiären Umfeld einhergeht.

Im Apennin-Dorf Portico di Romagna zum Beispiel ist eine Sprachschule in einem ehemaligen Pfarrhaus untergebracht. Übernachtet wird im dazugehörigen Hotel «Al Vecchio Convento» mitten im Dorfkern. Hier lernt man nicht nur die Sprache, sondern taucht auch in Küche, Weine und Alltagskultur der Region Romagna ein. Die Umgebung mit Kastanienwäldern und einem nahen Nationalpark bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern oder für Ausflüge in die Hügel. Für viele Teilnehmende ist es die ideale Kombination aus Sprachferien, Genuss und Entschleunigung.

Im Apennin-Dorf Portico di Romagna .

Foto: Al Vecchio Convento

Lernen, reisen, dranbleiben

Viele Menschen über 50 haben heute Zeit, Ressourcen und den Wunsch, sich weiterzuentwickeln oder einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Sprachaufenthalte bieten dafür ein passendes Format. Sie verbinden strukturierten Unterricht mit Reiseerlebnissen und persönlichen Begegnungen. Immer wieder berichten Teilnehmende, dass sie während ihres Aufenthalts neue Freundschaften knüpfen und ihre Sprachkenntnisse spürbar vertiefen.

Auffällig ist, dass ein grosser Teil der Gäste allein reist. 50plus-Programme erleichtern den Einstieg, weil man von Beginn weg Teil einer Gruppe ist und schnell Anschluss findet. Häufig nehmen mehr Frauen als Männer teil und nicht selten bleibt es nach der ersten Erfahrung nicht bei einer einzigen Reise. Wer einmal entdeckt hat, wie inspirierend es sein kann, Sprachenlernen mit einer Auszeit an einem Sehnsuchtsort zu verbinden, plant die nächste Destination oft schon auf der Heimreise.

Sprachkurs buchen

Linguista Sprachaufenthalte Schweizer Spezialist mit langjähriger Erfahrung im Segment 50plus, mit Programmen in Englisch, Italienisch, Spanisch und Französisch. Ein Beispiel: Englisch in Totnes (Devon) mit Kurs in Kleingruppen und Ausflügen in die Hügellandschaft und zu historischen Herrenhäusern. 50plus Sprachreisen – 50+ Sprachkurse weltweit

Pro Linguis Bietet 50plus-Sprachreisen mit Kultur- und Freizeitprogramm in verschiedenen europäischen Städten. Die Angebote richten sich gezielt an Lernende, die im eigenen Tempo und mit Gleichaltrigen lernen möchten. Beliebt ist etwa Französisch in Nizza mit Unterricht am Vormittag und Ausflügen an die Côte d’Azur am Nachmittag. Sprachreisen für Altersgruppe 50 Plus | Pro Linguis

ESL – Sprachaufenthalte Führt Sprachaufenthalte 50 Plus mit Kulturprogramm in Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch durch. In Málaga lassen sich Spanischkurs, Stadtspaziergänge, Tapas-Touren und Museumsbesuche ideal kombinieren – perfekt, um das Gelernte direkt im Alltag anzuwenden. Sprachaufenthalte 50 Plus | ESL

StudyLingua StudyLingua bietet spezielle Sprachreisen für die Altersgruppen 40+ und 50+ sowie eigene Senior-Sprachreisen an. Ein Beispiel ist ein Englischkurs für 50plus in Galway: Der Unterricht findet in kleinen Klassen statt, ergänzt durch Ausflüge an die Atlantikküste und Abende mit Live-Musik in irischen Pubs. Spezielle Sprachaufenthalte für Erwachsene | StudyLingua

#Über Autor

Artur Kilian Vogel

Journalist, Buchautor und Reise-Connoisseur – ehemaliger Auslandkorrespondent des Tages-Anzeigers (London, Nahost) und Chefredaktor des Berner «Bund», bereiste über 70 Länder auf allen Kontinenten.