Fast doppelt so gross wie die Schweiz und die grösste Region Frankreichs: Der französische Südwesten verbindet grünes Inland mit atlantischer Küste. Entlang der Charente und darüber hinaus gibt es viel zu entdecken.
Der Fluss Charente windet sich auf 380 Kilometern durch die französische Region Nouvelle-Aquitaine. Sein Lauf führt vom bergigen Quellgebiet über sanfte Hügel und Weinberge bis zu den maritimen Auen an der Mündung. Ab Angoulême, der französischen Hauptstadt der Comics, ist der Fluss bis zum Atlantik bei Rochefort schiffbar. Einst diente er als Hauptverkehrsweg für die Cognacproduktion. Heute laden Cognac-Häuser und Winzer zum Spiritourismus ein, während Radwege wie der Flow Vélo an malerischen Dörfern, alten Steinbrücken, einer seltenen Schwebefähre, Wassermühlen, Burgen und der Altstadt von Angoulême vorbeiführen. Die Charente gilt noch als Geheimtipp, gehört sie doch zu den ursprünglichsten Flusslandschaften Frankreichs.
Aubusson und die Wandteppiche der Superlative
Aubusson ist eine Kleinstadt im Département Creuse und vor allem als internationales Zentrum der Tapisserie-Kunst weltberühmt. 2009 wurde die Tapisserie aus Aubusson von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Die Tradition der Tapisserie-Manufaktur reicht hier bis ins 15. Jahrhundert zurück. Die Teppiche aus Aubusson schmückten Paläste und Adelshäuser in ganz Europa. Bis heute arbeitet die Stadt ununterbrochen daran, alte Techniken mit zeitgenössischer Kunst zu verbinden. Es gibt sogar japanische Mangas als grossformatige Teppichkunst. Anlässlich des 150. Todestages der bedeutenden Schriftstellerin George Sand entsteht ein monumentaler Wandteppich in Aubusson, der im Juni 2026 feierlich präsentiert wird. MEHR
Foto: Georg Berg
Angoulême – Stadt der Comics
Comics sind in Frankreich nicht nur Kinderlektüre. Sie stehen in Buchhandlungen neben Romanen, werden in Zeitungen wie Ausstellungen rezensiert und in Schulen wie Gedichte analysiert. Angoulême, die Hauptstadt des Départements Charente Angoulême zeigt, wie eine Stadt selbst zum Kunstwerk wird. Was in den 1970er Jahren mit einem kleinen Comic-Festival begann, ist heute „Creative City of Literature“ – eine Auszeichnung, die auch die Verbindung von Comics und Stadtentwicklung würdigt. Die Wandgemälde sind keine Dekoration, sondern Ausdruck einer kulturellen Überzeugung. Comics erzählen Geschichten, und öffentlicher Raum transportiert Identität. MEHR
Foto: Georg Berg
Limoges und das Porzellan
Porzellan aus Limoges gilt als Inbegriff französischer Tischkultur. Das fragile Kulturgut lässt sich bei einem Stadtrundgang entdecken. Kunstobjekte, Brunnen und sogar Parkbänke aus Porzellan schmücken die Stadt. Limoges wurde nach der Entdeckung von Kaolin in der Region Limousin im Jahr 1768 rasch zum Zentrum der Porzellanproduktion. Heute sind in Limoges noch ein Dutzend Manufakturen aktiv. Beste Adressen zum Erkunden der Porzellan-Welten von einst und von heute sind das Museée National Adrien Dubouché, das Museum Four des Casseaux, das Atelier Arquié und die Manufaktur Bernardaud. Ein branntheisser Tipp ist das Museum Four des Casseaux mit dem Brennofen einer der bedeutendsten Porzellanfabriken der Region. MEHR
Foto: Georg Berg
Poitiers: Stadt, Land, Kino
Poitiers, eine der ältesten Städte Frankreichs, verbindet romanische und mittelalterliche Geschichte mit beeindruckender Architektur und jungem Studentenflair. Zwischen Paris und Bordeaux gelegen, bleibt die Stadt oft unbemerkt – zu Unrecht. Poitiers gehört auf jede Bucketlist: Geschichts- und Kulturfreunde begeistert die einstige Machtzentrale des Mittelalters mit ihren Kunstmuseen und der lebendigen Gastronomie. Von hier starten Ausflüge ins Umland, und wer lieber in die Zukunft blickt als durch die Vergangenheit spaziert, besucht die multimediale Erlebniswelt Futuroscope. Seit 1987 zeigt das Futuroscope die Medientechnologien von morgen. Im Mittelpunkt stehen immersives Kino, Virtual-Reality-Erlebnisse, 4D-Abenteuer und modernste Spezialeffekte. Der Park verbindet Unterhaltung mit Wissensvermittlung und hebt sich deutlich vom klassischen Freizeitpark ab. MEHR
Foto: Georg Berg
Insel Aix
Die kleine Insel Aix liegt wie ein Kieselstein vor der Mündung der Charente. Am Schiffsanleger versteckt sich das einzige Dorf, Le Bourg, hinter Festungsmauern. Grüne Wiesen durchziehen die weitläufige Festungsanlage und führen zu zwei Leuchttürmen. Die Insel mag klein sein, doch früher war sie ein bedeutendes Bollwerk. Im Sommer strömen Tagesgäste ins Dorf, doch wer die Dorfmauern hinter sich lässt, findet Ruhe. Einfache Strandlokale servieren frische Meeresfrüchte und leichte Sommerweine – ein Genuss inmitten der Insel-Idylle. Nach der Niederlage bei Waterloo suchte Napoleon hier im Juli 1815 Zuflucht. Drei Tage verbrachte er im Kommandantenhaus der Atlantikinsel ehe er als Gefangener ein britisches Kriegsschiff betrat und auf die abgelegene Insel St. Helena im Südatlantik gebracht wurde. Das Gouverneurshaus der Île d’Aix ist heute Napoleon-Museum und erinnert an seine letzten Tage auf französischem Boden. MEHR
Foto: Georg Berg
Île de Ré: Fahrrad, Fisch und atlantisches Licht
Die Île de Ré ist seit 1988 per Brücke mit dem Festland verbunden – und doch fühlt sie sich an wie eine andere Welt. Wer von La Rochelle hinüberfährt, landet in einem Rhythmus, der langsamer ist als anderswo. Saint-Martin-de-Ré, die Hauptstadt der Insel, gibt den Ton an: ein pittoresker Hafen, weiss gekalkte Häuser mit grünen Fensterläden, Restaurants, in denen Moules-frites und frischer Fisch keine Touristenfalle sind, sondern Alltag. Man setzt sich, schaut aufs Wasser, bestellt noch ein Glas Weisswein – und versteht, warum viele Besucher Jahr für Jahr zurückkommen. Die beste Art, die Insel zu erkunden, ist das Fahrrad. Ein dichtes Netz an Velowegen führt durch Salzwiesen, an Weinbergen vorbei und in kleine Dörfer. Wer Lust hat, fährt bis ans andere Ende der Insel – das dauert keine zwei Stunden und fühlt sich trotzdem wie eine Reise an. MEHR
Foto: Georg Berg
Travel Basics
Hinkommen Der TGV bringt Reisende in 1 h 45 min von Paris nach Angoulême, der Hauptstadt der Charente.
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