Mit dem Nachtzug in Europas charmanteste Hauptstädte
Fünf Städte, unzählige Eindrücke – und alle bequem mit dem Nachzug in Europa erreichbar. Amsterdam, Budapest, Ljubljana, Zagreb und Prag verbinden historische Kulissen, lebendige Quartiere und kulinarische Klassiker zu entspannten Citytrips mit geringem CO₂-Fussabdruck.
Der Nachtzug in Europa erlebt eine bemerkenswerte Rückkehr und gilt heute als eine der stimmungsvollsten und zugleich nachhaltigsten Reiseformen des Kontinents. Während man im Schlaf durch Länder und Landschaften gleitet, eröffnet sich am Morgen eine neue Stadt – ohne Hektik, ohne Flughafen, dafür mit dem Gefühl einer kontinuierlichen, fast nostalgischen Reise. Zu diesen besonderen Zielen zählt auch Zagreb: eine Metropole, die Geschichte, Kreativität und junge Urbanität verbindet und sich ideal auf diesem entschleunigten Weg entdecken lässt. Wer den Nachtzug wählt, beginnt das Erlebnis bereits unterwegs und reist Europa in seinem eigenen Rhythmus.
Zagreb – Zwischen Belle Époque und urbanem Aufbruch
Zagreb ist eine Stadt, die man nicht einfach besucht – man lebt sie. Die charmante Hauptstadt Kroatiens vereint Geschichte, Lebensfreude und kreative Energie. Ober- und Unterstadt erzählen gemeinsam das vielschichtige Kapitel einer mitteleuropäischen Metropole, die sich immer wieder neu erfindet. In der Oberstadt warten Kopfsteinpflaster, barocke Kirchen und Panoramen über die roten Dächer. Hier schlägt das historische Herz Zagrebs. Unten pulsiert das moderne Leben entlang eleganter Boulevards, belebter Plätze und gemütlicher Strassencafés, in denen sich Künstler, Studenten und Geschäftsleute treffen. Gleichzeitig hat sich eine junge, trendbewusste Szene etabliert, die Galerien, Concept Stores und alternative Bars in alten Ladenlokalen belebt. Zwischen grünen Parkanlagen, lebendigen Märkten wie dem Dolac und der lebhaften Kulturlandschaft zeigt Zagreb, dass es den Spagat zwischen Tradition und urbaner Moderne mit Leichtigkeit meistert.
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Reisetipps
Torten & Kaffee in Zagreb
Kaffee und Kuchen sind in Zagreb Lebensart. In der Konditorei Amélie nahe der Kathedrale warten täglich frische Torten und Desserts in warmem Vintage-Ambiente. Wer hervorragenden Espresso mag, kehrt ins Spezialitätencafé Quahwa mit eigener Rösterei ein. Perfekt für eine genussvolle Pause.
Geröstete Ente mit Mlinci
Typisch für Zagreb ist geröstete Ente mit Mlinci, einer traditionellen Teigbeilage aus Mehl, Salz und Wasser. Die dünn gebackenen Fladen werden in Stücke gebrochen, mit Bratensaft getränkt und zur Ente serviert. Besonders authentisch gelingt das Gericht im Restaurant Stari Fijaker, das wie ein historischer Gewölbekeller wirkt.
Die Kremsnita aus Samobor
In Samobor, unweit von Zagreb, hat die luftige Kremsnita Kultstatus: knuspriger Blätterteig, dazwischen cremige Vanillecreme, die auf der Zunge zergeht. Das Kaffeehaus Kavana Livadić ist eine der bekanntesten Adressen für dieses Dessert, das inzwischen als kroatische Marke geschützt ist.
Hinkommen: Ab Zürich HB täglich im EuroNight. Abfahrt um 20.40 Uhr, Ankunft in Zagreb um 10.31 Uhr.
Amsterdam erfindet sich neu: Nach Jahren des Overtourism zeigt sich die Stadt an der Amstel wieder von ihrer charmant-authentischen Seite. Zwischen schmalen Giebelhäusern und schimmernden Grachten entfaltet sich ein urbanes Dorf, das Metropole ist und sich doch intim anfühlt. Die historischen Wasserwege verleihen der Stadt eine beinahe venezianische Note, während die Backsteinarchitektur an norddeutsche Hafenstädte erinnert. Dazu kommt eine Museumsdichte, die es mit jeder europäischen Kunstmetropole aufnehmen kann: vom Rijksmuseum über das Van-Gogh-Museum bis zu zeitgenössischen Ausstellungshäusern. Auf den Strassen mischen sich Studierende, Kreative, Expats und Alteingesessene, alle unterwegs mit dem Fahrrad, immer einen Schritt näher am Wasser als anderswo. Das typische Amsterdamer Lebensgefühl ist eine Mischung aus Weltoffenheit, Toleranz und lässiger Gelassenheit, spürbar in Cafés, auf Märkten und in den vielfältigen Vierteln rings um den Grachtengürtel.
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Reisetipps
Van Gogh Museum
Das Van Gogh Museum zeigt die weltweit grösste Sammlung von Werken Vincent van Goghs, darunter etwa 200 Gemälde sowie zahlreiche Zeichnungen und Briefe. Die Ausstellung ist thematisch und chronologisch aufgebaut; Tickets müssen vorab online mit Zeitfenster reserviert werden.
Anne Frank Haus
Im Anne Frank Haus an der Prinsengracht 263 besichtigen Gäste das Hinterhaus, in dem sich Anne Frank und ihre Familie über zwei Jahre vor den Nazis versteckten. Das Museum mit originalen Räumen, Dokumenten und Multimedia-Elementen erzählt ihre Geschichte. Der Eintritt ist nur mit vorab gebuchtem Online-Ticket möglich.
Jordaan & Bruin Café
Der Jordaan gilt als eines der stimmungsvollsten Viertel Amsterdams, mit schmalen Gassen, Grachten, kleinen Läden und Galerien. Hier lädt das historische Café Chris, eines der ältesten Bruin Cafés der Stadt, zu Bier, Jenever und Gesprächen mit Locals ein. Ideal, um einen Abend ausklingen zu lassen.
Durch die Stadt mit dem Velo
Amsterdam ist eine der fahrradfreundlichsten Städte der Welt, mit dichtem Netz an Velowegen und -brücken. Leihräder und Bike-Sharing bieten eine schnelle, typische Art, die Viertel vom Museumplein bis zu den hippen Quartieren im Osten oder bis ans IJ‑Ufer zu erkunden, dem Ufer des grossen Hafenbeckens hinter dem Bahnhof, wo sich eine moderne Waterfront mit Museen, Bars und Aussichtspunkten entwickelt hat.
Hinkommen: Ab Zürich HB Montag bis Samstag im Nightjet. Abfahrt um 21.59 Uhr, Ankunft in Amsterdam um 9.28 oder 9.44 Uhr. An Sonntagen Abfahrt um 19.36 Uhr, Ankunft um 9.28 Uhr. Ab Basel SBB von Montag bis Samstag im Nightjet. Abfahrt 23.16 Uhr, Ankunft 9.28 oder 9.44 Uhr. An Sonntagen Abfahrt um 21.19 Uhr, Ankunft um 9.28 Uhr.
Budapest – Geschichte modern interpretiert
Budapest ist das glanzvolle Zentrum Ungarns. Die imposanten Bauten der abwechslungsreichen Geschichte, das ausgeprägte Kulturleben, die prachtvollen Boulevards sowie die traditionsreichen Kaffeehäuser machen Budapest zu einer pulsierenden Metropole im Herzen Mitteleuropas. Wer auf der historischen Budaer Seite der Stadt flaniert, stösst auf mittelalterliche Gassen, barocke Architektur und Aussichten auf die Donau und den Osten der Stadt. Auf eben dieser östlichen Pest-Seite spielt sich das quirlig geschäftige Leben der Hauptstadt ab. Neben vielen Shopping- und Ausgehmöglichkeiten finden sich dort auch geschichtsträchtige Orte wie der Heldenplatz, der in der ungarischen Geschichte immer wieder Schauplatz einschneidender Ereignisse war. Aus der kreativen Neuinterpretation vergangener Zeiten entstand hier auch eine eigene Szene: die Ruin Pubs in den einst verfallenen Hinterhöfen und Mietshäusern des Jüdischen Viertels. Heute sind sie Sinnbild für Budapests Fähigkeit, Geschichte modern zu beleben, mit Vintage-Charme, urbaner Kunst und lebendiger Atmosphäre.
Foto: Envato
Reisetipps
Budaer Burgberg & Donauufer
Durch das Burgviertel auf dem Burgberg schlendern, Budaer Gassen und barocke Fassaden entdecken und von der Fischerbastei den Blick über Donau, Parlamentsgebäude und Kettenbrücke schweifen lassen. Dies ist besonders stimmungsvoll in der goldenen Abendbeleuchtung.
Thermalbäder & Kaffeehauskultur
In einem der historischen Thermalbäder wie dem Széchenyi-Heilbad zwischen neobarocken Becken und heissem Thermalwasser zur Ruhe kommen und danach im traditionsreichen Café Gerbeaud am Vörösmarty tér bei Torte und Kaffee die klassische ungarisch-wienerische Kaffeehauskultur erleben.
Jüdisches Viertel & Ruin Pubs
Im ehemaligen jüdischen Viertel tagsüber Streetart, kleine Lokale und versteckte Innenhöfe erkunden und abends in Ruin Pubs wie zum Beispiel dem Szimpla Kert oder Corvintető in improvisierten Hinterhöfen und Altbauten ins alternative Nachtleben der Stadt eintauchen.
Hinkommen: Ab Zürich HB täglich im EuroNight. Abfahrt um 21.40 Uhr, Ankunft in Budapest um 9.19 Uhr.
Ljubljana – Die Stadt der Drachen
Ljubljana wirkt wie eine kleine Auszeit auf Stadtmass: entspannt, grün und doch voller Geschichten. Die feuerspeienden Stadtmaskottchen, die Drachen, gelten hier nicht als Ungeheuer, sondern als Beschützer. Auf Brückengeländern, Wappen und Souvenirs erinnern sie an die Legende vom Lindwurm, der einst den Fluss Ljubljanica bewachte. Ebenso friedlich wie ihre Drachen sind auch die Bewohner: Studien zufolge gehören Ljubljanas Bürger zu den ehrlichsten der Welt. Wer durch die Altstadt schlendert, entdeckt ein harmonisches Miteinander aus Renaissance-, Barock- und Jugendstilfassaden, viele davon vom grossen Architekten Jože Plečnik geprägt, der Ljubljana im 20. Jahrhundert architektonisch veredelte. Heute zeigt sich die Stadt jung und lebenslustig: 65 000 Studierende, unzählige Cafés am Wasser und kreative Boutiquen füllen die Gassen mit urbaner Leichtigkeit. Ljubljana überzeugt nicht mit Monumentalität, sondern mit Gelassenheit, Stil und einer Prise verspielter Drachenmagie.
Foto: Slowenische Tourismuszentrale, Andrej Tarfila
Reisetipps
Altstadt & Dreibrücke
Durch die kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt schlendern, über die Dreibrücke auf den Prešeren‑Platz gelangen und entlang der Ljubljanica flanieren. Ein Kaffeehalt gefällig? In einem Flusscafés wie zum Beispiel im Cacao Ljubljana oder im Le Petit Café nahe der Altstadt.
Burg & Aussicht
Mit der Standseilbahn zur Burg von Ljubljana fahren oder zu Fuss hinaufsteigen und vom Aussichtsturm den Blick über Stadt und Alpenvorland geniessen. Für ein Essen mit Panoramablick lohnt sich ein Tisch im Burgrestaurant Strelec zu reservieren, das feine Küche mit Aussicht verbindet.
Metelkova & Celica
Auf dem alternativen Kulturareal Metelkova mesto Streetart, Bars und Konzerte erleben, eines der lebendigsten Nightlife‑ und Kunstviertel Ljubljanas. Gleich daneben zeigt das Hostel Celica als umgebautes Gefängnis mit gestalteten Zellen, wie kreativ die Stadt mit ihrem Erbe umgeht.
Hinkommen: Ab Zürich HB täglich im EuroNight. Abfahrt um 20.40 Uhr, Ankunft in Ljubljana um 7.50 Uhr.
Prag – Die goldene Stadt an der Moldau
Prag verführt mit unvergleichlicher Kulisse, Geschichte und einem Hauch Magie. Die tschechische Hauptstadt, oft als „Paris des Ostens“ gerühmt, glänzt mit ihren hundert Türmen, prächtigen Fassaden und einer Atmosphäre, die zwischen Romantik und urbanem Leben schillert. Über der Stadt thront majestätisch der Hradschin mit dem Veitsdom und dem Goldenen Gässchen, wo einst Alchemisten nach dem Geheimnis der Verwandlung suchten. Unten spannt sich die Karlsbrücke über die Moldau, gesäumt von barocken Heiligenfiguren – ein Ort, an dem Geschichte und Gegenwart verschmelzen. In den verwinkelten Gassen der Altstadt reihen sich gotische und Jugendstilbauten an moderne Cafés, Boutiquen und Galerien. Abends erwacht Prag zu neuem Glanz: zwischen traditionellen Bierkellern, Szene‑Bars und pulsierenden Clubs spürt man den kreativen Geist, der Franz Kafka einst zu seinen Worten inspirierte: Prag lässt eben niemanden los.
Foto: Envato
Fazit Nachtzug in Europa
Wer mit dem Nachtzug reist, erlebt Europa auf eine Weise, die entschleunigt, inspiriert und nachhaltiger ist als viele andere Reiseformen. Die fünf vorgestellten Hauptstädte – Amsterdam, Budapest, Ljubljana, Zagreb und Prag – zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig Kultur, Architektur und Lebensart auf engem Raum sein können. Jede dieser Städte bietet ihren eigenen Rhythmus, eigene Geschichten und charakteristische Genüsse. Gemeinsam sind ihnen die komfortable Erreichbarkeit über Nachtzüge und das besondere Gefühl, bereits bei der Ankunft mitten im urbanen Leben zu stehen. Nachtzugreisen verbinden damit Komfort, Atmosphäre und Umweltbewusstsein zu einem Reiseerlebnis, das sich zugleich zeitlos und überraschend modern anfühlt.
Das traditionsreiche Café Louvre an der Národní‑Strasse empfängt seit 1902 Gäste und zählt zu den ikonischen Kaffeehäusern Prags. In den eleganten Jugendstilräumen mit hohen Decken, Billardtischen und klassischer Karte lebt die Kaffeehauskultur bis spätabends weiter.
Auf den Spuren Kafkas
Franz Kafka ist in Prag allgegenwärtig: Sein Leben und Werk lassen sich im Franz Kafka Museum an der Moldau vertiefen, das mit Multimedia‑Elementen und Erstausgaben einen besonderen Zugang bietet. Weitere Stationen sind sein Geburtshaus am Franz-Kafka-Platz und sein Grab auf dem Neuen Jüdischen Friedhof.
Insel Kampa & Museum Kampa
Die Moldauinsel Kampa, auch „Prager Venedig“ genannt, lockt mit Park, Wassermühlen und Blick auf Burg und Karlsbrücke. Kunstfans kombinieren den Spaziergang mit einem Besuch im Museum Kampa, das moderne tschechische und mitteleuropäische Kunst in einem historischen Mühlengebäude direkt am Fluss zeigt.
Brauerei Břevnov
Im Kloster Břevnov befindet sich mit der Břevnovský Klášterní Pivovar eine der ältesten Braustätten Tschechiens, deren Wurzeln bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen. In der Klosterschenke Klášterní šenk lassen sich die Biere im historischen Ambiente des Benediktinerklosters probieren.
Hinkommen: Ab Zürich HB täglich im EuroNight. Abfahrt um 19.59 Uhr, Ankunft in Prag um 9.25 Uhr. Ab Basel SBB täglich im EuroNight. Abfahrt 21.16 Uhr, Ankunft 9.25 Uhr.