Santiago de Compostela ist mehr als nur eine Stadt im Nordwesten Spaniens; es ist ein Phänomen, das seit über tausend Jahren Menschen aus der ganzen Welt anzieht. Als spirituelle Hauptstadt Galiciens und Endpunkt des berühmten Camino de Santiago (Jakobsweg) ist Santiago de Compostela ein einzigartiges Reiseziel. Die gesamte Altstadt ist ein Weltkulturerbe der UNESCO und zeugt von einer reichen Geschichte und tief verwurzelten Tradition. Die Seite bietet Ihnen den gesamten Inhalt für Ihren Besuch.
Die Existenz von Santiago de Compostela ist untrennbar mit der Legende um das angebliche Grab des Apostels Jakobus des Älteren verbunden. Der Name Santiago de Compostela leitet sich von Sanctus Iacobus (heiliger Jakob) ab. Mit dem Zustrom der Pilger wuchs die Stadt, die im Jahr 997 im 10. Jh. von Almanzor fast vollständig zerstört, aber im folgenden Jahrhundert wieder aufgebaut wurde. Auch heute noch strömen Besucher und Pilger aus aller Welt in dieses Heiligtum im Westen Europas, was der Stadt eine hohe wirtschaftliche Bedeutung durch den Pilger- und Tourismusstrom verleiht. Der Charme der Altstadt zieht Persönlichkeiten aus aller Welt an.
Camino de Santiago: Das Ziel der Pilger
Der Camino de Santiago (Jakobsweg) ist das Phänomen, das Santiago de Compostela zu dem gemacht hat, was es heute ist. Der Jakobsweg zieht jährlich etwa 500.000 Pilger an. Die Pilgerreise endet am unbestrittenen Zentrum der Stadt: der imposanten Kathedrale von Santiago de Compostela. Der Bau der Kathedrale begann im Jahr 1075 und sie ist ein Meisterwerk der Romanik.
1000 Jahre Geschichte an der Kathedrale bewundern
Das absolute Highlight der Kathedrale ist das originale Eingangsportal, der Pórtico de la Gloria. Dieses künstlerische Meisterwerk der Romanik wurde durch die spätere Barockfassade vor Witterung geschützt und erstrahlt nach jüngsten Renovierungen in neuem Glanz. Die Kathedrale von Santiago de Compostela enthält zudem die Krypta des Apostels Jakobus. Ein Besuch des Pórtico de la Gloria ist ein Muss für jeden Besucher.
Mein Tipp: Während mancher Messen kommt der Botafumeiro zum Einsatz, das grösste Weihrauchfass der Welt. Sieben Männer sind nötig, um dieses 80 Kilogramm schwere und 1,60 Meter grosse, rauchende Gefäss mit einem speziellen Mechanismus durch das gesamte Kirchenschiff zu schwingen. Ein Spektakel!
Foto: Travel Magazin
Praza do Obradoiro – Das Wohnzimmer Santiago de Compostelas
Direkt vor der Kathedrale liegt die Praza do Obradoiro, der berühmteste Platz der Stadt. Täglich kommen hier Hunderte Pilger an, für die dieser Ort das emotionale Ziel ihrer Pilgerreise ist. Die Praza wird von weiteren bedeutenden Bauwerken eingerahmt, darunter das Pazo de Raxoi (heute Sitz der galicischen Regierung) und das historische Hostal de Los Reyes Católicos.
Geschichte und Kultur in den Gassen der Altstadt
Die Altstadt von Santiago de Compostela zählt seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie ist ein Labyrinth aus engen Gassen und historischen Straßen und ist von modernen Stadtvierteln und grünen Hügeln umgeben. Besonders sehenswert sind die Rúa do Franco und die Rúa do Vilar, die das gastronomische Herz der Stadt bilden.
Rúa do Franco – den Beat des gastronomischen Herzens spüren
Galicien hat eine reiche gastronomische Tradition. Insbesondere die Meeresfrüchte, die Austern, verschiedenste Muscheln, Krebse und Krabben zählen zu den besten Europas. Und dank der vielen Pilger, von denen die meisten Spanier sind, quillt Santiago mit ausgezeichneten Restaurants über (Restaurants mit schlechter Qualität würden schlichtweg nicht überleben). Das kulinarische Herz schlägt in der Rúa do Franco unweit der Kathedrale. Hier reiht sich ein Restaurant ans nächste. Interessant: Schon im Mittelalter war diese Strasse das Versorgungszentrum für die Pilger, manche Gasthäuser blicken also auf eine lange Tradition zurück. Empfehlen möchte ich die Taberna O Boteco in einem schönen Steinhaus mit sehr leckeren Tapas.
Mein Tipp: Wer in Santiago in einer Bar etwas Alkoholisches bestellt, bekommt eine Tapa dazu. Mit einer Besonderheit wartet die Bar Orella, galicisch für «Ohr», auf: Als Tapa gibt es gesottenes Schweineohr.
Mercado de Abastos – im Paradies schlemmen
Dass Santiago nicht zu einer Museumsstadt verkommen ist, sondern auch in der Altstadt noch Menschen leben, sieht man am Mercado de Abastos. Hier decken sich die Bewohner und die Chefköche der Restaurants mit frischen Lebensmitteln ein. Besonders sehenswert sind die Hallen mit den Meeresfrüchten (wenn auch der Geruch teilweise eine Herausforderung darstellt). Eine Halle wurde mittlerweile zu einem Gourmet-Spot umgewandelt. Mehrere Restaurants bieten das gesamte Spektrum der galicischen Küche an, von der Gemüsesuppe Caldo gallego bis zu Polbo á feira, Krake auf galicische Art. Krake gekocht oder grilliert ist gewissermassen das galicische Nationalgericht. Wer nicht vegetarisch oder vegan lebt, sollte das zugegebenermassen etwas unästhetische Gericht unbedingt mal probieren!
Mein Tipp: Neben dem Mark finden sich weitere sehr gute Restaurants. Das beste ist das Tapas-Restaurant Lume der galicischen Chefköchin Lucia Freitas – ein Ableger ihres Michelin-Sterne-Hauses «A Tafona» unweit des Marktes.
Foto: Travel Magazin
Hotel Costa Vella – im schönsten Garten der Stadt «apéröle»
Santiagos Unterkünfte reichen von vollgestopften (Pilger-)Herbergen bis Luxushotels in historischen Gebäuden. Mein Lieblingshotel ist das «Costa Vella» am Rande der Altstadt. Highlights sind die Zimmer, die teilweise mit Wintergarten ausgestattet sind, und der wunderschöne ummauerte Garten. In der warmen Jahreszeit kann man hier herrlich sitzen und einen Apéro geniessen. Das dazugehörige Café ist zudem ein schöner Ort zum Ausruhen vom Sightseeing (leckere Kuchen!). Ebenfalls ein Highlight ist das Frühstück, das aus galicischem Brot, Käse, Schinken, Croissant und Marmelade besteht – eine reichliche Auswahl, die man so in Spanien oft vergeblich sucht.
Mein Tipp: Wer etwas günstiger nächtigen möchte, kann direkt neben der Kathedrale im ehemaligen Kloster Monasterio de San Martín Pinario unterkommen. Hier gibt es zwei Kategorien: schlichte, renovierte Einzel- und Doppelzimmer und Pilgerzimmer, die an eine Mönchszelle erinnern.
Im Pilgermuseum in der Geschichte stöbern
Santiago kann mit einigen guten Museen aufwarten. Zu empfehlen sind das galicische Volkskundemuseum (Museo do Pobo Galego) und das Museum für zeitgenössische galicische Kunst (Centro Galego de Arte Contemporanea). Beide liegen am östlichen Rande der Altstadt. Ein Muss ist sicherlich das Pilgermuseum hinter der Kathedrale. Hier wird nicht nur das Phänomen der Pilgerfahrten in allen Weltregionen beleuchtet, sondern es werden auch die Entstehung des Jakobswegs und die Gründung der Stadt Santiago de Compostela skizziert.
Mein Tipp: Neu ist die Cidade da Cultura, die «Stadt der Kultur», auf einem Hügel oberhalb der Stadt (es verkehren Busse). Das Projekt, das in seiner Form die nahen Hügel nachahmen will, ist zwar äusserst umstritten, bietet aber ein weiteres gutes Museum für zeitgenössische Ausstellungen. Zudem hat man vom Hügel aus einen schönen Blick auf die Stadt.
Ausflüge um Santiago
Finisterre – ein Ende, das ein neuer Anfang ist
Das Ende der Welt liegt bei Santiago um die Ecke. Das Kap Finisterre, vom lateinischen finis terre, galt lange als der westlichste Punkt des europäischen Festlands. Und auch wenn es zwei, drei weitere Spots in Europa gibt, die noch ein paar Meter weiter gen Westen ragen, umweht dieses felsige Plateau eine besondere Mystik. Manche Jakobspilger betrachten diesen Punkt als wahres Ende des Jakobswegs und marschieren in etwa drei Tagen von Santiago hierher. Legenden besagen nämlich, dass das Kap eine keltische Weihestätte gewesen sei, wofür es allerdings keine historischen Beweise gibt. Eine besondere Stimmung haben das Dorf Finisterre mit seinem langen Sandstrand (im Sommer schön zum Sonnenbaden) und das Kap mit den weiten Blicken auf jeden Fall. Am Kap, das etwa zwei Kilometer vom Dorf entfernt ist, herrscht viel Touristenrummel. Schönste (und ruhigste) Tageszeit ist der Sonnuntergang. Ich nehme immer ein Picknick mit, setze mich auf einen Felsen unterhalb des Leuchtturms und betrachte den Sonnenuntergang. Herrlich! Nach Finisterre kommt man ab Santiago in 2,5 Stunden mit dem Bus.
Mein Tipp: Am Hafen von Finisterre kann man herrlich essen. Von den vielen Restaurants, die alle gut sind, empfehle ich besonders das Restaurante Maruxía.
Foto: Travel Magazin
A Illa de Arousa – sich fühlen wie in der Karibik
Galicien ist nicht gerade für sein gutes Wetter bekannt. Hier am Atlantik kann es auch im Sommer feucht werden und die Temperaturen rangieren unter den beliebten spanischen Badedestinationen im Süden – und dennoch lässt es sich hier herrlich am Strand relaxen. Manche der sandigen Strände an der felsigen Küste können es meiner Meinung nach leicht mit den bekannten Favoriten an der Costa Brava oder in Mallorca aufnehmen. Einige sehr schöne Strände gibt es auf der Insel A Illa de Arousa etwas südlich von Santiago, die bequem über eine Brücke erreichbar ist (Mietwagen benutzen).
Pontevedra – bummeln in der schönen Altstadt
Pontevedra ist die schönste Stadt Galiciens neben Santiago. Leider wurde in einer Neubauwut in den 70er Jahren in vielen spanischen Städten viel alte Substanz zerstört. Aber Pontevedra wurde seit jeher von smarten Politikern regiert und so präsentiert sich die Altstadt als ein Schmuckstück zum Bummeln und Flanieren. Sehen sollte man die barocke Pilgerkirche La Peregrina in Form einer Jakobsmuschel und das Provinz-Museum (Museo de Pontevedra) mit sehr guter archäologischer Abteilung. Aber ansonsten gilt hier: sich treiben lassen und das Flair der Stadt geniessen. Hin geht es mit dem Bus aus Santiago.
Mein Tipp: Neben dem Provinz-Museum befindet sich das Restaurant Ultramar, das von Chefkoch Pepe Vieira betrieben wird, seines Zeichens bester galicischer Koch mit zwei Michelin-Sternen. Dieses bistroartige Restaurant hat zwar noch keine Sterne eingeheimst, aber schlemmen kann man hier dennoch herrlich.
Foto: Travel Magazin
Fazit: Santiago de Compostela – Das spirituelle Herz Galiciens
Santiago de Compostela ist weit mehr als das Ende eines berühmten Pilgerwegs – es ist ein Ort von tiefer Symbolkraft, gelebter Geschichte und beeindruckender kultureller Vielfalt. Zwischen der majestätischen Kathedrale, den verwinkelten Gassen der UNESCO-geschützten Altstadt und den lebendigen Plätzen entfaltet sich eine einzigartige Atmosphäre, die Spiritualität, Tradition und Lebensfreude vereint. Ob als Pilger, Kulturreisender oder Genussliebhaber: Santiago berührt, inspiriert und bleibt im Gedächtnis. Wer diese Stadt besucht, erlebt nicht nur ein Reiseziel, sondern einen Ort, der Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise miteinander verbindet.
Hinkommen: Nach Santiago de Compostela geht es per Direktflug von Zürich, entweder mit der spanischen Airline Vueling oder der Schweizer Edelweiss Air. flyedelweiss.com;vueling.com
FAQ Santiago de Compostela - Häufigste Fragen & Antworten
Was macht Santiago de Compostela so besonders?
Santiago de Compostela ist das spirituelle Ziel des Jakobswegs und zählt zu den wichtigsten Pilgerstätten Europas. Die Kombination aus jahrhundertealter Geschichte, lebendiger Pilgerkultur, beeindruckender Architektur und galicischer Küche macht die Stadt einzigartig.
Warum ist die Kathedrale von Santiago so bedeutend?
Die Kathedrale beherbergt das angebliche Grab des Apostels Jakobus des Älteren und ist eines der wichtigsten romanischen Bauwerke Spaniens. Besonders sehenswert ist das kunstvolle Pórtico de la Gloria sowie das spektakuläre Weihrauchfass Botafumeiro während spezieller Messen.
Wann kommt der Botafumeiro zum Einsatz?
Der Botafumeiro wird vor allem an hohen kirchlichen Feiertagen oder bei besonderen Pilgergottesdiensten geschwungen. Dabei handelt es sich um das grösste Weihrauchfass der Welt – ein unvergessliches Spektakel für Besucher.
Was sollte man auf der Plaza del Obradoiro erleben?
Hier treffen täglich erschöpfte, aber glückliche Pilger ein. Besonders stimmungsvoll ist der Platz bei Sonnenuntergang, wenn die Fassade der Kathedrale golden leuchtet und traditionelle galicische Musik erklingt.
Wo isst man in Santiago de Compostela am besten?
Das gastronomische Zentrum ist die Rúa do Franco. Sehr empfehlenswert sind:
Taberna O Boteco für Tapas
Lume von Lucia Freitas für moderne galicische Küche
Mercado de Abastos für authentische Spezialitäten wie Polbo á feira
Welche typischen Speisen sollte man probieren?
Unbedingt kosten solltest du:
Pulpo / Polbo á feira (galicischer Oktopus)
Caldo gallego
Meeresfrüchte & Muscheln
Tapa inklusive Getränk in Bars
Wo kann man in Santiago besonders stilvoll übernachten?
Empfehlenswert sind:
Hotel Costa Vella mit Garten-Oase
Parador Hostal de los Reyes Católicos für luxuriös-historisches Ambiente
Monasterio de San Martín Pinario für günstige & authentische Unterkunft
Ist Santiago de Compostela auch ohne Pilgerreise sehenswert?
Ja! Die Stadt bietet selbst ohne Jakobsweg ein intensives Kulturerlebnis, hervorragende Küche und beeindruckende Architektur.