Syrakus auf Sizilien: Eine Reise durch 2700 Jahre Kultur und Geschichte

Sizilien liegt abseits der grossen italienischen Besucherströme. Gerade deswegen ist «Bella Sicilia» ein perfektes Reiseziel. Besonders Syrakus mit seiner traumhaften Altstadt Ortygia vereint Geschichte, mediterrane Lebensfreude und kulinarische Highlights auf einzigartige Weise. Auf zu antiken Stätten, leckeren Genüssen und Schlagloch-verseuchten Landstrassen – und mitten hinein in den unverfälschten Charme Siziliens.

Syrakus auf Sizilien: Eine Reise durch 2700 Jahre Kultur und Geschichte

Syrakus & Ortygia: Verliebt auf den ersten Blick in Siziliens Barockperle

Mich hat der Zufall nach Syrakus gespült. Für einen Trip mit dem Zug von der Schweiz nach Sizilien wollte ich schlicht an einem der südlichsten Bahnhöfe ankommen (hier meine Reportage zur Zugsreise von der Schweiz nach Italien). Und ich habe mich sofort verliebt: Die Altstadt auf der Insel Ortygia ist ein Schmuckstück voller verwinkelter Gassen und lauschiger Plätze. Einst als Aussenposten der Griechen erbaut (mitten auf der Insel befinden sich die Ruinen eines Apollon-Tempels), erlebte die Stadt ihre letzte Blüte im Barock, was sich in einigen imposanten Palazzi aus der Zeit widerspiegelt.

Syrakus: Eine Weltstadt der Antike im Süden Siziliens

Syrakus liegt an der Ostküste Siziliens und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Gegründet von Siedlern aus Korinth im Jahr 734 v. Chr., entwickelte sich Syrakus zur grössten und mächtigsten Stadt der antiken Welt. Die Lage am Meer und die strategische Bedeutung machten es zu einem begehrten Reiseziel für Eroberer.

Dionysios I. und die Blütezeit

Unter Dionysios I., dem berühmten Tyrannen und Eroberer, erlebte Syrakus seine grösste Blüte. Er liess die mächtige Festungsanlage Castello Eurialo errichten. Später war die Stadt sogar kurzzeitig Regierungssitz des Oströmischen Reiches. Die Geschichte von Syrakus ist reich an Persönlichkeiten wie Archimedes und Dionysios I., deren Namen untrennbar mit der Stadt verbunden sind.

Ortygia: Das historische Zentrum und seine Kultur

Die Altstadt von Syrakus in Sizilien.

Die Insel Ortygia ist das Herzstück der Stadt und beherbergt die meisten Sehenswürdigkeiten.

Bei Sonnenaufgang durch die erwachende Insel schlendern

Wenn die Stadt erwacht und die aufgehende Sonne die alten Häuser in warmem Gold erleuchtet, ist vielleicht die beste Zeit für einen Spaziergang entlang der Meerpromenade (Dauer etwa 1 bis 1,5 Stunden). Und den Morgen-Cappuccino gibts dann im Caffè Aretusa am gleichnamigen Brunnen, der schon den alten Griechen diente.

2700 Jahre Architektur auf einem Platz

Der eindrücklichste Bau ist die Kathedrale (Duomo), die auf einen griechischen Tempel aus dem 5. Jahrhundert vor Christus zurückgeht. Dieser soll durch keinen Geringeren als Paulus im 1. Jahrhundert nach der Zeitenwende in eine christliche Kirche umgewandelt worden sein. Interessant ist der Dom aber vor allem aus architektonischer Sicht: Die dorischen Säulen des griechischen Baus sind heute in der Barockkirche immer noch sichtbar. Ein faszinierender Punkt der Geschichte.

Santa Lucia und die Katakomben

Die Kirche Santa Lucia al Sepolcro ist der Schutzpatronin der Stadt gewidmet. Hier befindet sich das angebliche Grab der Heiligen. Die Umgebung der Kirche beherbergt auch die Katakomben von San Giovanni, die einen Einblick in die Geschichte der ersten Christen geben.

Kulinarik und Dolce Vita

Delikatessen aus Syrakus auf Sizilien.

Schlemmen in der Salumeria Fratelli Burgio

Hinter den Ruinen des Apollontempels erstreckt sich der kleine Lebensmittelmarkt mit Obst, Gemüse und fangfrischem Fisch. Wer «mutig» ist, sollte die rohen Seeigel probieren, die man hier pro Stück kaufen kann und die als Delikatesse gelten. Mein Highlight ist allerdings die Salumeria Fratelli Burgio am Ende der Marktstrasse (Via Emmanuele de Benedictis). Dort türmen sich Salami, Schinken, Speck und viele weitere Leckereien Siziliens. Man kann sich hier nicht nur mit einigen Delikatessen für zu Hause eindecken, sondern auch bei einem Glas Wein und einigen Häppchen das Marktgeschehen beobachten. Ich empfehle das «Zvieriplättli» mit verschiedenen Wurstwaren und eingelegtem Gemüse.

Restaurants und Mittagessen

Die Auswahl an Restaurants in Syrakus ist gross. Von einfacher, traditioneller Küche bis hin zu gehobenen Lokalen finden Reisende alles. Ein typisches Mittagessen besteht oft aus frischen Meeresfrüchten oder einem herzhaften Fleischgericht.

Kaffee trinken wie in den 50ern

Typisch Italien: Auch in Syrakus gibt es viele gemütliche Cafés. Eines meiner Highlights ist das Mini-Café Viola in der Altstadt (Adresse: Corso Giacomo Matteotti, 51c, 96100 Siracusa SR). Der Kiosk wurde wohl in den 50er Jahren gebaut und zumindest sein Äusseres wurde nicht verändert. Eine herrliche Zeitkapsel. Die hausgemachte Glace ist übrigens vorzüglich!

Ausflüge und Sehenswürdigkeiten auf dem Festland

Das griechische Theater in Taormina, Italien.

Es den griechischen Theatergängern gleichtun

Auch heute noch sind die in den Fels gehauenen Stufen des antiken Theaters beeindruckend: Einst hatten hier etwa 15 000 Menschen Platz. Gespielt wurden griechische (und später römische) Komödien, Tragödien und Satyrspiele. Mein Tipp: Im Frühling werden im alten Theater klassische Werke aufgeführt. Ansonsten kann man im archäologischen Park Tempel, Amphitheater und ehemalige Steinbrüche anschauen.

Noto und die Barockstädte

Die Umgebung von Syrakus bietet sich für Ausflüge an. Die Barockstadt Noto ist ein Weltkulturerbe und liegt nur eine kurze Reise entfernt. Noto ist bekannt für seine goldene Architektur und ist ein Muss für jeden Besucher der Region.

Stunden im Archäologischen Museum verbringen

Zugegeben: Archäologische Museen können mit ihren Heeren an Marmorstatuen und Tontöpfen ermüdend sein – da ist das Museum in Syrakus keine Ausnahme. Dennoch möchte ich die Ausstellung empfehlen: Ich habe selten solch perfekt erhaltene Überbleibsel von Griechen, Römern und den ersten Christen gesehen.

Mein Tipp: sich für jede Abteilung ein Zeitlimit setzen und dann zur nächsten Epochenübersicht weitergehen. So wird man am Schluss nicht müde und kann die ganze Sammlung geniessen. Aber ja: Ein Drittel der Artefakte würde immer noch ein umfangreiches Museum hergeben.

Auf den Spuren von Paulus und den ersten Christen

Angeblich soll der Prediger Paulus in den 40er Jahren des 1. Jahrhunderts in Syrakus gepredigt haben – historische Sicherheit gibt es darüber natürlich nicht. In einer unterirdischen Kirche, der Chiesa di San Giovanni, soll Paulus gewirkt haben. Der angebliche Altar ist noch zu sehen. Interessant ist vor allem, dass die Kirche von den ersten Christen genutzt wurde, was einen Einblick in eine vergangene, wichtige Zeitepoche vermittelt. Bei einer Führung kann man ebenfalls die gleichnamigen Katakomben besichtigen, in denen die ersten Christen ihre Toten bestatteten. Etwas gruselig, aber sehr interessant!

Fazit

Syrakus ist ein Reiseziel von Weltformat. Die Stadt vereint auf einzigartige Weise die Geschichte der griechischen Antike mit dem Barock Siziliens. Ob Sie die Kultur der Altstadt auf Ortygia erkunden, die Küchen der Restaurants geniessen oder die Ausflüge in die Umgebung planen – Syrakus bietet für jeden Reisenden den perfekten Punkt für einen unvergesslichen Urlaub im Süden Italiens.

Travel Basics

Hinkommen Nach Syrakus kommt man aus der Schweiz mit dem Zug, was ohne Zwischenstopps etwa zwei Tage dauert. Schneller geht es mit dem Flieger von Zürich nach Catania (Edelweiss und Easyjet) und weiter mit dem Zug (am Flughafen befindet sich ein Bahnhof, der mit einem Shuttle schnell erreichbar ist).

Informationen visitsicily.info; italia.it

FAQ Syrakus - Häufigste Fragen & Antworten

Ist Syrakus eine schöne Stadt?

Syrakus gilt als eine der schönsten Städte Siziliens. Besonders die Altstadt auf der Insel Ortygia ist ein architektonisches Juwel. Die Altstadt besticht durch ihre barocken Palazzi, verwinkelten Gassen und die direkte Lage am Meer. Die Kultur und die Geschichte der Stadt machen sie zu einem unvergesslichen Reiseziel.

Für was ist Syrakus bekannt?

Syrakus ist bekannt für seine herausragende Geschichte als mächtigste Stadt der antiken Welt ausserhalb Griechenlands. Es ist die Heimat des berühmten Mathematikers Archimedes und war unter Dionysios I. ein bedeutendes Zentrum der Kultur. Heute ist es berühmt für seine Architektur (griechisches Theater, Kathedrale auf einem antiken Tempel) und seine hervorragende Küche.

Was ist in Syrakus passiert?

Die Geschichte von Syrakus ist von grossen Ereignissen geprägt. Gegründet von Siedlern aus Korinth, war es Schauplatz der Punischen Kriege und wurde von Römern, Arabern und Normannen erobert. Ein grosses Erdbeben im 17. Jahrhundert zerstörte die mittelalterliche Stadt, was zum Wiederaufbau im heute sichtbaren, einheitlichen Barockstil führte.

Wie viele Tage für Syrakus?

Um die Altstadt Ortygia und den archäologischen Park auf dem Festland in Ruhe zu erkunden, empfehlen Reiseexperten mindestens drei Tage. Wenn Sie Ausflüge in die Umgebung (z.B. nach Noto) oder Touren zu den Katakomben planen, sollten Sie eine Woche einplanen. Die Stadt bietet eine grosse Auswahl an Inhalten für einen längeren Urlaub.

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