• Vogel unterwegs (20)

Velo, Boot und Bahn gegen Bangkoks Chaos

Thailands Hauptstadt ist ein Hotspot für Städtereisen, ein Gourmet-Paradies, legendär für Rooftop-Bars, Tempel – und das Verkehrschaos. Artur entkommt diesem in der Hoch- und der U-Bahn, zu Fuss, auf der Fähre oder sogar mit dem Velo.

Bangkok ist eine faszinierende Metropole von Weltrang. Mit weit mehr als 30 Millionen internationalen Ankünften, 30 Prozent mehr als 2023, lag sie bei den Städtereisen 2024 weltweit je nach Statistik ganz weit vorn oder sogar auf Platz eins, was weiter nicht erstaunt: Die unglaublich lebendige und vielfältige Mega-Stadt bietet alles, was man auf einer Städtereise erwartet.

Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten sind der grosse Königspalast mit dem Tempel Phra Kaeo, der höchsten religiösen Stätte des Landes; Wat Pho, der Tempel mit dem 46 Meter langen liegenden Buddha; Wat Arun, der Tempel der Morgenröte, idyllisch am Fluss Chao Phraya gelegen. Der Maeklong Railway Market im Südwesten der Stadt, eine Ladenzeile, die direkt an den Bahngleisen liegt, ist ebenfalls ein Magnet. Hier fotografieren Touristenmassen, die im Zug ankommen, Touristenmassen, die auf den Zug warten, und umgekehrt. Auf der angeblich gefährlichen Bahnstrecke durch den Markt fährt der Zug im Schritttempo, so dass auch scheinbar waghalsige Selfies ungefährlich sind.

Maeklong Railway Markt in Bangkok.

Foto: Artur K. Vogel

Ebenfalls im Südwesten Bangkoks findet sich der Damnoen Saduak Floating Market, der schwimmende Markt. Theoretisch steuern hier Händlerinnen und Händler ihre Holzboote durch enge Kanäle und verkaufen Getränke, Früchte, Streetfood, Souvenirs und Kunsthandwerk. Doch in Wirklichkeit ist vor lauter Touristenbooten mit qualmenden Benzinmotoren kaum etwas vom Markt zu sehen.

Schwimmender Markt, Damnoen Saduak in Bangkok.

Foto: Artur K. Vogel

Hochburg der Kulinarik

Gediegener geht es in den Gourmet-Restaurants zu, dank denen sich Bangkok zum kulinarischen Eldorado entwickelt hat. Es gibt inzwischen 33 Restaurants mit einem Michelin-Stern, unter anderem eines von Andreas Caminada, das IGNIV Bangkok im St. Regis Hotel. Sieben Restaurants haben von Michelin zwei Sterne erhalten, eines sogar drei. (Singapur, unendlich viel reicher als Bangkok, zählt genau gleich viele Michelin-Lokale.)

Das Blue Elephant in einem gediegenen, mehr als 120 Jahre alten Gebäude im Geschäfts- und Finanzviertel Sathorn hat zwar keine Sterne-Auszeichnung. Doch das Lokal mit mehreren klassischen Gasträumen und einer ganz in Blau gehaltenen Bar ist legendär für seine traditionelle, königliche Thai-Küche. Das Nationalgericht Pad Thai mit Glasnudeln, Ei, zerstampften Erdnüssen und Sprossen wird hier nicht mit Schweine- oder Hühnerfleisch zubereitet, sondern in einer Edel-Version mit Riesencrevetten und einer Languste.

Die Bar im Blue Elephant Restaurant in Bangkok.

Foto: Artur K. Vogel

Am anderen Ende der Preisskala, aber genauso lecker, ist das Streetfood, das man an unzähligen Ständen in der ganzen Stadt erstehen kann. Eine der berühmtesten Food-Strassen ist die Yaowarat Road in Chinatown.​ Im Norden des Stadtzentrums besuche ich Chatuchak, einen riesigen Wochenendmarkt mit mehr als 15.000 Ständen. Hier gibt es neben einer unübersehbaren Vielfalt an Kleidung, Elektronik, Kunsthandwerk, Möbeln, Antiquitäten, Schmuck, Pflanzen und sogar Haustieren auch Hunderte von Essensständen.​

Ich habe mich unzählige Male an Strassenküchen verpflegt, in Bangkok, in anderen thailändischen Städten, in Vietnam, Kambodscha, Laos, Malaysia, den Philippinen und so weiter. Ein einziges Mal, in Yangon, Myanmar, hatte dies einen intestinalen Aufruhr zur Folge. Mit anderen Worten: Die Verpflegung am Strassenrand ist genauso sicher wie im Restaurant, nur viel, viel günstiger.

Wer nicht auf europäische Standards verzichten mag, ist im Pier 21, dem Foodcourt auf der fünften Etage des Einkaufszentrums Terminal 21, gut aufgehoben. Pier 21 ist für seine Streetfood-Stände bekannt, die Gerichte zu unglaublich günstigen Preisen anbieten, normalerweise zwischen 40 und 80 Baht – ein bis zwei Franken. Kein Wunder, ist Pier 21 bei Touristen und Expats ebenso beliebt wie bei Thais. In anderen Shopping Malls bezahlt man deutlich mehr, zum Beispiel im Luxus-Center Iconsiam. Dort ist dafür ein Panoramablick von der Terrasse auf den Fluss Chao Phraya eingeschlossen, auf dem sich Fähren und Ausflugsboote tummeln.

Blick vom Iconsiam auf Schiffe auf dem Chao Phraya, Bangkok.

Foto: Artur K. Vogel

Die beste Sicht auf Bangkok hat man allerdings vom King Power Mahanakhon, dem höchsten Gebäude der Stadt mit 78 Stockwerken. Dort gibt es auf 314 Metern Höhe eine Aussichtsplattform, teilweise besitzt diese einen gläsernen Boden. Sogar Hochhäuser wirken von hier oben klein und putzig.

Aussicht vom Mahanakhon in Bangkok.

Foto: Artur K. Vogel

Rezepte gegen Verkehrskollaps

Bevor es hier allzu lukullisch wird, müssen wir über das Hauptproblem Bangkoks (und vieler anderer Megastädte) reden: In vielen Quartieren der Innenstadt herrscht ein fast permanenter Verkehrsinfarkt. Autos, Scooter, Tuk Tuks, Lastwagen kommen, wenn überhaupt, nur im Schritttempo vorwärts und verpesten die Luft.

Doch anders als gewisse andere asiatische Metropolen bietet Bangkok eine Reihe von Alternativem. Die Zauberworte heissen BTS und MRT. Um die Stadt zügig zu durchqueren, ist der Sky Train BTS, die Hochbahn, das ideale Verkehrsmittel. BTS verbindet auf zwei Hauptlinien viele wichtige Geschäfts-, Einkaufs- und Touristenviertel. Kurzstrecken kosten 16 Baht oder 40 Rappen, die längsten rund 1.50 Fr. Sie sind so logisch beschriftet, dass ihre Benutzung kinderleicht ist. Ergänzt wird der Skytrain durch Metropolitan Rapid Transit (MRT), ein meist unter der Erde verlaufendes Metro-System, das vor 20 Jahren eröffnet wurde und laufend ausgebaut wird. .

So sind viele Touristenattraktionen mit dem ÖV viel leichter erreichbar als mit Taxis oder Tuk Tuks. Hier ein paar Beispiele: Den Chatuchak-Markt erreicht man über die BTS-Station Mo Chit oder die MRT-Station Chatuchak Park. Das Einkaufszentrum Terminal 21 ist über eine Fussgängerbrücke direkt mit der BTS-Station Asok und der MRT-Station Sukhumvit verbunden. Auch der Paknam-Tempel mit der gigantischen, goldenen Buddha-Statue ist mit dem ÖV erreichbar. Man fährt mit der Bahn nach Talat Phlu mit seinem Lebensmittelmarkt. Danach schlendert man durch die Hintergassen, genehmigt sich im Café Pracha ein üppiges Eiscafé, spaziert vorbei an kleinen Häuschen, die an ein Dorf, nicht eine Millionenstadt gemahnen und kommt nach weniger als einer Viertelstunde bei der imposanten Buddha-Statue an. Zum Königspalast mit dem Tempel Phra Kaeo nimmt man den Skytrain bis zur Station Saphan Taksin und von dort das Chao Phraya Expressboot zum Tha Chang Pier.

Der grosse Buddha im Paknam Tempel, Bangkok.

Foto: Artur K. Vogel

Apropos Boot: Die Wasserwege waren, lange vor Stassen, Skytrains und U-Bahnen, die wichtigsten Verkehrsadern Bangkoks. Der 370 Kilometer lange Chao Phraya mäandert von Nord nach Süd durch die Stadt und ergiesst sich schliesslich in den Golf von Thailand. Der Fluss und sein verzweigtes System von Kanälen (sognannten Klongs) werden seit Urzeiten und bis heute intensiv genutzt. Fähren auf dem Chao Phraya sind ein vielgenutztes Transportmittel, schnell, günstig und zuverlässig. Doch manchmal fragt man sich, ob auch dem Fluss mit all den Fähren, Ausflugsschiffen, Wassertaxis und privaten Booten bald ein Verkehrskollaps droht.

Das Thailand von einst

Mitten in der Stadt, in einer Schleife des Flusses Chao Phraya, liegt die 16 Quadratkilometer grosse Halbinsel Bang Krachao. Bei Thailand Biking haben wir stabile Citybikes gemietet und einen Guide engagiert. Nach einer kurzen Fahrt mit der Fähre unter der riesigen Bhumipol-Brücke wechselt die Szenerie dramatisch: Mitten in der 15-Millionen-Netropole stossen wir auf eine rurale Idylle. Wir radeln an Bauernhöfen, Kokospalmenhainen, Reis- und anderen Feldern vorbei. In den Dörfern laufen Hunde und Hühner frei herum. Ein gewichtiger Waran überquert gravitätisch die Strasse. Gläubige beten in einer buddhistischen und einer hinduistischen Tempelanlage, über der eine mächtige Statue des Elefantengottes Ghanesha thront. Das lauschige Café Ozone teilen wir mit schnatternden Enten und Gänsen, exotischen Fischen und einer Schildkröte.

Fähre unter Bhumipol Brücke in Bangkok.

Foto: Artur K. Vogel

Auf Bang Krachao gibt es etwa 25 bis 30 Kilometer Radwege, viele naturbelassen, andere auf betonierten Trassees. Ganz einfach zu meistern sind sie nicht: Sie sind teilweise sehr schmal. Man muss höllisch aufpassen, um nicht vom Weg abzukommen, vor allem in den engen Kurven. Zudem ist es heiss und feucht. Doch das Gefühl, von der lärmenden, hektischen und aufreibenden Grossstadt in ein ländliches Thailand von einst entflohen zu sein, ein Thailand, in dem sich das Leben in einem entschleunigten Rhythmus entfaltet, wo Kinder laut lachend spielen und ältere Menschen einem freundlich zuwinken, wiegt den vergossenen Schweiss bei weitem auf.

Velofahren auf der Halbinsel Bang Kachao, Bangkok.

Foto: Artur K. Vogel

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