Bevor Artur wieder nach Südostasien reist, hat er von der einen afrikanischen Insel auf die nächste gewechselt: von La Réunion auf Mauritius. Diese klassische Destination für Luxus-Badeferien lässt sich auch mit kleinem Budget geniessen.
Von der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean bin ich in 50 Minuten nach Mauritius geflogen – aus Faulheit, denn die rund 42 Stunden, welche die Fähre für dieselbe Strecke braucht, waren mir dann doch zu mühsam. Nur von Mauritius, nicht aber von Réunion habe ich später Direktflüge nach Südostasien.
Mit rund 2000 Quadratkilometern ist Mauritius etwa gleich gross wie der Kanton St. Gallen und mit 1,3 Millionen Einwohnern dicht besiedelt, ebenso dicht wie Réunion. Das merkt man spätestens, wenn man irgendwo rund um die Hauptstadt Port Louis (150.000 Einwohner) im Verkehrsstau stecken bleibt.
Verglichen mit La Réunion, welches seit 1638 französisch ist und seit 1947 ein vollwertiges Departement Frankreichs, ist die Geschichte von Mauritius komplizierter: Die Insel wurde 1505 von den Portugiesen entdeckt und ab 1638 von den Niederländern besiedelt. Ab 1715 nahmen sie die Franzosen in Besitz. 1810, während der Napoleonischen Kriege, eroberten die Briten die Insel. Am 12. März 1968 wurde Mauritius vom Vereinigten Königreich unabhängig, blieb aber Mitglied des Commonwealth.
Die bewegte Vergangenheit hat bis heute kuriose Folgen: Umgangssprachen sind Kreolisch und Französisch, die Amtssprache hingegen ist Englisch, und es herrscht Linksverkehr.
Aufregende Vielfalt
Wegen der ereignisreichen Geschichte ist auch das Leben auf Mauritius von aufregender Vielfalt. Rund zwei Drittel der Mauritier stammen vom indischen Subkontinent; ihre Vorfahren wurden einst von den Briten als Kulis und Hausangestellte ins Land gebracht, während auf den Zuckerrohrplantagen Sklaven aus Afrika schufteten.
Hindu-Tempel finden sich über die ganze Insel verstreut, der grösste von ihnen an einem See namens Le Grand Bassin. Er ist Shiva und seiner Familie geweiht, deren Mitglieder in zahlreichen, farbenfrohen Statuen repräsentiert sind. Gläubige legen Blumen nieder, stecken Kerzen an und trinken Wasser aus dem See; dieses sei so heilig wie jenes im Ganges, beteuert mein indischstämmiger Fahrer.
Foto: Artur K. Vogel
Kehrseite ist allerdings, dass die ethnischen Inder auch das politische Leben diktieren und in der Wirtschaft eine überproportionale Rolle spielen, während die Kreolen, afrikanisch-europäische Mischlinge, die ein knappes Drittel der Bevölkerung ausmachen, untervertreten sind. Und nicht nur das: Zwar sind die Inder seit Jahrhunderten hier ansässig und reden Kreolisch wie alle andern auch. Aber das unselige Kastenwesen haben sie, so erzählt mir eine Lehrerin, eins zu eins importiert.
Fünfsterne-Luxus…
Vor einigen Jahren habe ich Mauritius auf die luxuriöse Tour mit Übernachtungen in Fünfsterne-Resorts und einem Privatwagen mit Chauffeur bereist. Zuerst nächtigte ich im Trou aux Biches Beachcomber Golf Resort & Spa, versteckt in einem Palmenhain im äussersten Nordwesten der Insel, mit einem Sandstrand bis zum Horizont. Das Resort verkauft sich als «romantischstes Hotel auf Mauritius» und hat eine treue Schweizer Kundschaft. Bei booking.com ist das günstigste Zimmer für zwei Gäste mit Frühstück ab etwa 480 Franken pro Nacht buchbar, auf der Webseite des Hotels mit Frühbucherrabatt für ca. 425 Franken in der Neben- und mehr als 700 in der Hochsaison.
Foto: Artur K. Vogel
Das kleine, feine Constance le Prince Maurice Resort wird von der Constance-Gruppe als «Flaggschiff» bezeichnet und ist ähnlich teuer: In der Hochsaison ab etwa 700, in der Nebensaison ab etwa 450 Franken pro Nacht ist man als Paar dabei, Frühstück inklusive. Das Prince Maurice liegt in einer Lagune im Osten der Insel in der Nähe der Ortschaft Poste de Flacq, hat unter anderem Villen, die auf Stelzen im Wasser stehen, und am Abend kann man sich, sanft schaukelnd, in einem Restaurant auf Pontons unter weissen Segeln verpflegen.
Foto: ZVG
Das Shanti Maurice Resort and Spa schliesslich, im Süden der Insel bei Saint-Felix, war früher ein reines Ayurveda-Hotel. Die Therapien im grosszügigen Spa-Bereich spielen immer noch eine wichtige Rolle. Man kann im Shanti aber auch ganz normale Ferien verbringen, am Strand, an den Pools, in den Bars und Restaurants. Ein Doppelzimmer mit Frühstück für zwei kostet in der Nebensaison etwa 370, in der Hochsaison ca. 670 Franken pro Nacht.
…oder schlichtere Freuden
Diesmal bin ich mit einem deutlich bescheideneren Rentner-Budget unterwegs und könnte mir solch opulente Refugien nicht leisten. Statt eines Edelresorts für ein paar tausend Franken in der Woche habe ich ein Gästehaus direkt am Wasser für einen Bruchteil des Preises gewählt. Die Auberge SeaFever liegt nicht in einem schicken Ferienort, sondern im verschlafenen, vom Tourismus fast gänzlich unberührten Städtchen Mahébourg.
Hier gibt man sich den schlichten Freuden hin: Baden an der Blue Bay oder der Pointe d’Esny, beide mit dem Bus in wenigen Minuten erreichbar. Das Wasser ist ebenso klar und türkisfarben, der Sand ebenso fein wie in den Fünfsterne-Resorts. Zum abendlichen Apéro trifft man sich am ehemaligen Hafen bei «Les Copains d’abord», und statt in einem überteuerten Schickimicki-Lokal zu tafeln, lässt man sich «Chez Marilyn» simple, aber ausgesprochen wohlschmeckende kreolische Speisen auftischen.
Foto: Artur K. Vogel
Gerettete Natur
Ob im Gästehaus oder im Resort: Es lohnt sich auf jeden Fall, die Insel ausgiebig zu bereisen. Mitten in den Zuckerrohrfeldern von Beau Plan, in der Gemeinde Pamplemousse, befindet sich ein spektakuläres Museum, L’Aventure du Sucre. Es erzählt in allgemein verständlicher Sprache nicht nur von der Entwicklung der Zuckerproduktion, einst das wichtigste Exportgut von Mauritius, sondern auch die wechselvolle Geschichte der Insel selber. Zudem widmet sich das Museum ausgiebig der Tragödie der Sklaverei und wird damit zu einem wichtigen Zeugen einer düsteren historischen Epoche.
Zeitgenössische Geschichte lässt sich im Vallée de Ferney im Südosten der Insel erleben. Hier soll ein Wald in seinen ursprünglichen Zustand versetzt, das heisst im Lauf der nächsten Jahrzehnte von allen invasiven Pflanzen befreit werden. Dass dieser malerische Naturpark überhaupt noch existiert, ist zivilem Widerstand zu verdanken, «vielleicht der ersten mauritischen Bürgerinitiative überhaupt», wie unser Führer erzählt.
Foto: Artur K. Vogel
Mitten durch das lauschige Tal mit Fernsicht aufs Meer nämlich wollte eine frühere Regierung eine Autobahn bauen, geplant und finanziert von Chinesen. «Dann wären die Gäste vom Flughafen aus eine halbe Stunde früher in ihren Hotels im Osten gewesen», sagt der Führer – und für diesen marginalen Zeitgewinn wäre eine der letzten intakten Kulturlandschaften auf Mauritius unwiederbringlich zerstört worden. Die Proteste hatten Erfolg: Kurz vor Baubeginn gab es Wahlen, und die Regierung, die den Strassenbau gegen den Willen der Bevölkerung hatte durchpeitschen wollen, wurde abgewählt.
Ein Ausflug, den man nicht verpassen sollte, führt nach Chamarel in den Bergen im Südosten. Dort gibt es ein einmaliges Naturphänomen zu besichtigen, die Terres des Sept Couleurs («siebenfarbige Erden»), eine völlig vegetationslose Hügellandschaft mit einem farbigen Streifenmuster, das von oxidierten Metallen wie Eisen und Aluminium stammt.
Foto: Artur K. Vogel
Und wenn man schon in dieser lieblichen Gegend ist, besucht man die Rhumerie de Chamarel, eine moderne Destillerie, wo Zuckerrohrschnäpse hergestellt werden, die internationale Preise eingeheimst haben. Wer von Dienstag bis Freitag kommt, kann den Arbeitsprozess vom Auspressen der Zuckerrohre bis zur Destillation mitverfolgen. Am Schluss der Führung wird man zur Degustation der Schnäpse geladen.
So gestärkt (oder auch diskret umnebelt) lässt man sich zurückfahren ins Resort, um dort, am Strand unter strohgedecktem Sonnenschutz, den hochprozentigen Alkohol auszudünsten. Oder in meinem Fall: zurück ins Gästehaus, um mich auf einem Liegestuhl auf der Terrasse vom leisen Plätschern des Meeres in eine sanfte Siesta einlullen zu lassen.
Travel Basics
Hinkommen Edelweiss Air fliegt mehrmals pro Woche nonstop von Zürich nach Mauritius.
Reinkommen Für die Einreise reicht ein Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist. Nach der Ankunft erhält man eine Aufenthaltsgenehmigung für 60 Tage. Manchmal wird nach einem Rück- oder Weiterflugticket gefragt.
Rumkommen Wer viel sehen will, sollte sich einen Mietwagen, ein Miet-Motorrad oder ein Auto mit Chauffeur leisten.
Reisezeit Die trockene Winterzeit von Mai bis Oktober bringt angenehme 24 bis 28 °C tagsüber und ist ideal für Strandferien, Wandern und Wassersport. Die Regenzeit von Januar bis April ist wärmer und feuchter, dafür sind die Preise günstiger und es gibt weniger Touristen. (Achtung: Gewisse Resorts sind von Mitte Mai bis Mitte Oktober geschlossen.)
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