Was als Vision von «Mama Rosie» begann, ist heute ein Ort der Geborgenheit: Im «Baphumelele Educare Centre» in Südafrika finden Waisen sowie kranke Kinder Schutz und Perspektiven. Mit Hilfe aus der Schweiz ist ein neues Bildungsprojekt entstanden, das auch Travel Magazin unterstützt.
Rosalie Mashale zählt zu den Menschen, deren Wirkung weit über ihr unmittelbares Umfeld hinausreicht. Der US-Nachrichtensender CNN ernannte sie 2017 zur Heldin des Jahres. Zwei Jahre später erhielt sie für ihren unermüdlichen Einsatz in der Betreuung von Tausenden von Waisenkindern den «Daily Trust African of the Year Award».
Foto: Martina Sardella
Mama Rosies Engagement begann 1989. Damals zog sie als Lehrerin nach Khayelitsha, eine Siedlung am Rand von Kapstadt, die stark von der HIV/AIDS-Epidemie betroffen ist. Dort begegnete sie Kindern, die auf einer Müllkippe nach Nahrung suchten. Sie nahm sie mit zu sich nach Hause, versorgte sie mit Essen und legte damit den Grundstein für ihr späteres Wirken.
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Kinderheim als Herzstück
Getrieben von Mitgefühl und dem Wunsch, die Situation nachhaltig zu verbessern, gründete Mama Rosie das «Baphumelele Educare Centre». Der Name bedeutet «Fortschritt» und beschreibt den Anspruch des Zentrums treffend: Unter einem Dach vereint es frühkindliche Betreuung und Bildungsangebote. Herzstück ist ein Heim für Waisen und Kinder, die Schutz benötigen oder nicht mehr bei ihren Familien leben können. Aufgrund der hohen Zahl erkrankter Kinder wurde das Angebot im Laufe der Zeit um ein medizinisches Zentrum erweitert, in dem Kinder mit HIV und anderen Krankheiten behandelt und betreut werden.
Foto: Martina Sardella
Neues Kapitel aufgeschlagen
Die Projektgruppe «Fountain of Hope» (Brunnen der Hoffnung) engagiert sich für das Kinderheim und stärkt die Zusammenarbeit zwischen Südafrika und Europa. Ziel ist es, bestehende Angebote weiterzuentwickeln und das Zentrum langfristig zu festigen. Während sich frühere Ausbildungsinitiativen vor allem auf landwirtschaftliche Tätigkeiten konzentrierten, wurde im November 2025 ein neues Kapitel aufgeschlagen: In Zusammenarbeit mit Stofflokal und dem Hilfswerk Ubungani Suisse entstand vor Ort eine Ausbildungsschneiderei. Diese erweitert das Angebot von Baphumelele entscheidend: Jugendliche erwerben praktische Fertigkeiten, die ihnen neue berufliche und menschliche Perspektiven eröffnen. Gleichzeitig entsteht für das Zentrum eine zusätzliche Einnahmequelle.
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21-Jähriger auf Erfolgskurs
Der 21-jährige Khotso (Kgotso) ging mit gutem Beispiel voran und veranschaulicht damit das Potenzial des Projekts. Von Mama Rosie für die Ausbildung ausgewählt, eignete er sich die neuen handwerklichen Fähigkeiten in kurzer Zeit an. Bereits nach wenigen Wochen stellte er selbstständig Taschen, Etuis, Kissen und Tuniken her. Sein Engagement, seine Zuverlässigkeit und sein handwerkliches Können zeigen, welche Perspektiven sich Jugendlichen durch gezielte Förderung eröffnen.
Foto: Martina Sardella
Ein Ausbildungsprojekt gibt Perspektiven
Baphumelele «Fountain of Hope» bietet jungen Menschen im Alter von 16 bis 21 Jahren, die in Heimen aufgewachsen sind, Waisen oder schutzbedürftig sind, eine ganzheitliche Betreuung und ein sicheres und förderndes Umfeld, um einen positiven Übergang ins Erwachsenenalter zu ermöglichen.
Bei Fountain of Hope bekommen Jugendliche, die keine formale Ausbildung, keine Arbeit und keine Ausbildung haben, eine Plattform, um die notwendigen Fähigkeiten zu erlernen, um wirtschaftlich und sozial einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, während diejenigen, die noch die High School besuchen, ihre Ausbildung abschliessen können. Ziel ist, dass sie im Anschluss an ihren Aufenthalt beruflich wie sozial gefestigt sind, um selbständig leben zu können.
Die Wohnanlage befindet sich auf einem kleinen Bio-Bauernhof und dient als Ausbildungsstätte für die Jugendlichen, bietet Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung und erzielt mit dem Verkauf der erstellten Produkte ein Einkommen für die Organisation.
Foto: Martina Sardella
Schweizer Hilfe, die Form annimmt
Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung spielte «Stofflokal», initiiert von Martina Sardella aus Hergiswil. Durch umfangreiche Stoff- und Materialspenden sowie persönliches Engagement von Martina Sardella, Béatrice und Thomas van Nes von Ubungani Suisse konnte die Ausbildungsschneiderei in Südafrika realisiert werden.
Die Unterstützung von Spenderinnen und Spendern sowie die Sachspenden verschiedener Unternehmen ermöglichten es, die Räumlichkeiten vollständig einzurichten, professionelle Nähmaschinen anzuschaffen und die notwendigen Stoffe und Arbeitsmaterialien bereitzustellen. Zudem konnten ein Jahresgehalt für Khotso sowie für eine weitere Trainerin oder einen weiteren Trainer gesichert, ein professionelles Coaching aufgebaut und verbindliche Abläufe für Kurse und Produktionen definiert werden.
Foto: Martina Sardella
So geht es weiter
In der Aufbauphase soll das Projekt eng begleitet werden. Wöchentliche Videokonferenzen mit Mama Rosie und Khotso, regelmässige Updates aus Kapstadt sowie eine weitere Reise der Projektpartner Mitte Februar 2026 sollen sicherstellen, dass sich die Schneiderei nachhaltig etabliert und weiterentwickelt.
Foto: Martina Sardella
Freundschaft über Kontinente
Koordiniert und unterstützt wird das Engagement im Kinderheim Baphumelele und das Projekt «Fountain of Hope» vom Schweizer Hilfswerk Ubungani Suisse. Der Name bedeutet «Freundschaft» und steht für den partnerschaftlichen Ansatz. Durch langfristige Zusammenarbeit, Transparenz und Nähe zu den Menschen vor Ort entsteht Hilfe, die wirkt und Bestand hat.
Travel Magazin ist überzeugt, dass diese Form der Unterstützung den Kindern und Jugendlichen vor Ort nachhaltig hilft. Aus diesem Grund unterstützen wir künftig die beiden Projekte Baphumelele und «Fountain of Hope». 10 % von den Verkaufseinnahmen unseres neuen Print Magazin «Travel Selection 2026» werden wir Ende 2026 an diese beiden Engagements spenden.