Japan-Knigge: Der Anti-Fettnäpfchen-Guide

Im Land der aufgehenden Sonne gelten andere Regeln als in Europa. Wer sie nicht kennt, kann ganz schön schnell ins Fettnäpfchen treten. Doch mit etwas Feingefühl und Know-how, reist man ganz souverän durchs Land.

Der perfekte Winkel

Die Verbeugung ist hier mehr als nur eine Geste – sie ist Ausdruck von Respekt, Höflichkeit und sozialer Hierarchie. Doch Vorsicht: Eine leichte Neigung des Oberkörpers (15 Grad) reicht zur Begrüssung oder beim Einkaufen. Bei formelleren Anlässen oder auch gegenüber höhergestellten Personen wird tiefer gebeugt (30 Grad). Die tiefste Verbeugung (45 Grad) ist Entschuldigungen gewidmet. Wichtig ist dabei immer, jeglichen Blickkontakt während der Verbeugung zu vermeiden, Die Hände bleiben dabei an den Seiten oder werden vor dem Körper gefaltet. Wer unsicher ist, orientiert sich am Gegenüber.

Zu Besuch im Tempel

Japanische Tempel und Schreine sind heilige Orte, die Respekt verlangen. Vor dem Betreten werden am Chōzuya, dem Reinigungsbrunnen, Hände und Mund rituell gereinigt. Dabei erst die linke, dann die rechte Hand waschen, danach Wasser in die linke Hand schöpfen und den Mund ausspülen.. Bevor man Innenräume betritt, bitte Schuhe ausziehen. Fotografieren ist zwar oft erlaubt, aber bitte niemals mit Blitz oder während religiöser Zeremonien. Lautes Reden ist tabu. Beim Beten wirft man eine Münze in die Opferbox, verbeugt sich zweimal, klatscht zweimal in die Hände und verbeugt sich erneut.

Japan Chōzuya Reinigungsbrunnen.

Foto: Shutterstock

Schenken – aber richtig

Geschenke spielen in Japan eine zentrale Rolle, aber die Regeln sind komplex: Ein Mitbringsel sollte stets hübsch verpackt sein, am besten in dezenten Farben. Überreicht wird es mit beiden Händen und einer leichten Verbeugung. Absolute No-Gos sind Geschenke in Sets von vier (steht für „Tod“) oder neun (klingt wie „Leiden“). Auch weisse oder schwarze Verpackungen sollte man meiden, denn beides steht für Trauer. Beliebt sind hingegen regionale Spezialitäten aus der Heimat oder hochwertige Süssigkeiten. Und noch etwas: Das Geschenk sollte weder zu teuer noch zu billig wirken.

Geschenk in Japan.

Foto: Shutterstock

Zugfahren mit Etikette

Per Bahn unterwegs zu sein ist ein Erlebnis für sich, aber nur, wenn man die ungeschriebenen Regeln kennt. Die Wichtigste ist, Ruhe bewahren. Laute Telefonate sind tabu, viele stellen ihr Handy auf stumm. Wer telefonieren muss, flüstert oder geht in den Übergangsbereich zwischen den Waggons. Essen ist verpönt, ausser in Shinkansen-Fernzügen, wo Ekiben (Lunch-Boxen) erlaubt sind. Prioritätssitze sind ausschliesslich  für ältere Menschen, Schwangere oder Menschen mit Behinderung reserviert, selbst wenn der Zug voll ist. Drängeln beim Einsteigen gibt es nicht, man wartet geordnet in der Schlange.

Nein-Sagen – das „no-go“

Das Wort „Nein“ gilt in Japan als äusserst unhöflich, denn es drückt Ablehnung aus, und die vermeiden Japaner grundsätzlich und das reine „Nein“ wird im Alltag praktisch nicht genutzt. Stattdessen zieht man sich durch dezente Formulierungen zurück. Besonders beliebt dabei ist die „Sandwich-Methode“, bei der die Ablehnung zwischen Höflichkeiten verpackt wird. Beispiel: „Ich würde sehr gerne mit Ihnen essen gehen, aber…“ Hier gilt es, zwischen den Zeilen zu lesen. Umgekehrt sollten man das direkte „Nein“ ebenfalls im Koffer lassen und auf sanfte Umschreibungen setzen. So bleibt die Harmonie gewahrt.

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