Ayurveda, die jahrtausendealte indische Heilkunst, verspricht nicht nur Entspannung, sondern eine ganzheitliche Erneuerung von Körper, Geist und Seele. In Sri Lanka begibt sich unsere Redaktorin Tina auf eine transformative Reise zu sich selbst.
Manchmal reicht ein Blick in den Spiegel, und man weiss: So geht es nicht weiter. Ausgelaugt, reizüberflutet, digital erschöpft. Ayurveda scheint meine Rettung zu sein. Ich brauche Abstand – von allem. Neben Indien gilt Sri Lanka als Ursprungsland dieser jahrtausendealten Lehre vom langen und gesunden Leben. Der Inselstaat im Indischen Ozean, in dem einst sogar Könige Heiler waren, scheint perfekt für meine Auszeit. Und die Inhaberfamilie der vier Barberyn-Resorts gelten als die Pioniere des Ayurveda-Tourismus – und verstehen ihr Handwerk.
Mein Ziel, das „Barberyn Waves Ayurveda Resort“, wurde erst kürzlich zum besten Gesundheitsresort der Insel gekürt. Es liegt knapp zwei Autostunden vom Flughafen Colombo entfernt, nahe Weligama im äussersten Süden der Insel. Die mit Palmen gesäumten Sandstrände vor Ort erfüllen jedes Tropenklischee. Wir fahren vorbei an kleinen Dörfern, Obstständen und bunten Hindutempeln. Hinter einer Mauerpforte öffnet sich schliesslich ein Paradies, in dem der Schrei der Pfauen mit dem Tosen des nahen Ozeans verschmilzt. Tempelbaumblüten verströmen ihren vanilleartigen Duft, juchzende Affen springen durch die Bäume. Eine junge Frau im weissen Sari empfängt mich mit frischem Mangosaft und wünscht mir lächelnd ein langes Leben: „Ayubowan“.
Foto: Tina Engler
Im Gesundheitszentrum der weitläufigen, modernen Anlage erwartet mich Dr. Kosala – eine der neun Vaidyas, den Ayurveda-Ärzten. Sie mustert mich freundlich, fühlt meinen Puls, betrachtet meine Zunge und nimmt sich viel Zeit für das persönliche Gespräch. Ihre Diagnose: Mein Vata ist komplett aus dem Gleichgewicht – zu viel Wind, zu wenig Erdung. Der Mensch ist im Ayurveda eine Mischung aus Vata, Pitta und Kapha. Sind diese drei sogenannten Doshas in Balance, ist man gesund. Bei mir jedoch tobt ein Sturm.
Foto: Tina Engler
Dann beginnt meine Panchakarma-Kur – ein 14-tägiges, individuell auf mich abgestimmtes Reinigungsritual, das Körper und Geist durchmassiert, entgiftet, entleert: Mit warmem Öl, Kräuterbädern, Akupunktur. Nichts davon fühlt sich nach Wellness an, wie ich es sonst von diversen SPA-Treatments kenne, alles scheint tiefer zu gehen. Eingewickelt wie eine Mumie im Kräutergarten zu liegen, ist zum Beispiel zunächst gewöhnungsbedürftig, wirkt jedoch Wunder.
Spätestens beim Vasthi – dem medizinischen Einlauf – wird klar: Hier geht es ans Eingemachte. Und das ist gut so. Schon nach wenigen Tagen fühle ich mich leichter, klarer, ganz bei mir. Fünf Behandlungen stehen auf meinem täglichen Stundenplan. Dazu kommen Yoga, Meditation und ganz viel Zeit für mich, die ich abwechselnd auf meinem grossen Balkon mit Meerblick, an den beiden Pools, am kilometerlangen Strand oder auch bei Ausflügen in die nähere Umgebung verbringe.
Foto: Tina Engler
Von Mai bis Juli fegt der Monsun über den Südwesten Sri Lankas – mit kurzen, intensiven Regenschauern, hoher Luftfeuchtigkeit und wechselhaftem Wetter. Was für viele nach Regenzeit klingt, ist aus ayurvedischer Sicht ideal für Heilung und Rückzug: Der Himmel tobt, die Erde dampft, Blitze zucken – und ich laufe barfuss und glücklich durch warme Pfützen. Beim Yoga im offenen Tempel mit Blick über den Dschungel bis hin zum Meer, duftet die Luft nach Regen und Blüten. Mönche singen in der Ferne. Ein Pfau kreuzt meinen Weg. Später schwimme ich im Ozean, lausche den Grillen.
Foto: Tina Engler
Das Essen ist Medizin und Festmahl zugleich: Linsen, Zimt, Kardamom, Currys, Bitterstoffe, Süsse, Schärfe – das tägliche Buffet ist fantastisch. Es gibt sogar Süssspeisen – und natürlich jede Menge Tropenfrüchte. Ich kann mich kaum zurückhalten – und verliere dennoch am Ende 3,5 Kilo.
Abends beobachte ich vom Balkon Flughunde und Millionen von Glühwürmchen am Himmel, das Rauschen des Meeres im Ohr. Nach 14 Tagen, bei der Abschlussuntersuchung sind meine Doshas im Lot und ich fühle mich wie neugeboren. Und wenn das Leben mich wieder aus der Bahn wirbelt, weiss ich: Mein innerer Kompass kennt den Weg. Zurück zur Insel. Zurück zu mir.
Foto: Tina Engler
Zwei Adressen für die innere Reise
Barberyn Waves Ayurveda Resort – Weligama, Sri Lanka
Das neueste Haus der Barberyn-Gruppe liegt erhöht mit Blick auf den Indischen Ozean. Fast futuristisch anmutend, mit ganz viel Platz zum Sein. Besonders ruhig, mit klösterlicher Atmosphäre (80 Zimmer, auf mehrere Gebäude verteilt) barberynresorts.com
Parkschlösschen Bad Wildstein – Traben-Trarbach, Deutschland
Seit über 30 Jahren die erste Adresse für Ayurveda im deutschsprachigen Raum. Eigenes Quellwasser, traditionelle Panchakarma-Kuren und langjährige Erfahrung. (58 Zimmer) www.parkschloesschen.de