Die Seychellen sind eine der wenigen tropischen Stranddestinationen, die derzeit bereisbar sind. Christian war vor Ort – und wollte gar nicht mehr zurück. An den Traumstränden sind die Sorgen der Welt für einmal ganz weit weg.
Zehn Stunden Flug, knapp zwei für Einreiseformalitäten, eine Stunde auf der Fähre, die so sehr auf den Wellen tanzt, dass sich mein Magen verkrampft und schliesslich 45 Minuten mit dem Velo durch die Tropenhitze: Das Paradies muss man sich verdienen. Aber die Strapazen lohnen sich. Denn nun stehe ich auf der Insel La Digue an einem der schönsten Strände, an dem ich je meine Füsse in den Sand gesteckt habe. Das Meer schillert wie Van Goghs Farbpalette und Kokospalmen beugen sich zum Meer, als wollten sie sich ins Wasser stürzen. Und dann sind da noch die rundgewaschenen Granitfelsen, die den Seychellen ihr unverwechselbares Aussehen verleihen.
Die Traumstrände sind derzeit fast leer
Das Beste: Ich habe den Beach-Traum für mich alleine. Die Seychellen haben zwar ihre Grenzen für ausgewählte Nationen geöffnet, die Zahl der Touristen ist dennoch verschwindend gering. Wie viele Destinationen, die man während der Corona-Krise besuchen kann, erlebt man derzeit auch die Seychellen so unberührt wie schon lange nicht mehr.
Nur Jimmy der Kokosnussverkäufer ist da und wartet auf ein paar Besucher. «Willst du eine Kokosnuss», fragt er. «Das macht 150 Rupien», sieben Franken. «Das Paradies ist teuer», grinse ich. Das ist im Verhältnis etwas viel – für die Hälfte gibts beim Takeaway schon einen ganzen Zmittag. «Aber ich habe die schönste Bar der Welt». Was Jimmys als «Bar» bezeichnet, sind eine Kiste mit Kokosnüssen und ein Brett unter einem Baum.Ich hätte ihm auch ein Vielfaches gegeben, denn der Moment ist unbezahlbar: Mit der Kokosnuss auf meinen Knien und der Salzluft in der Nase fühle ich mich seit Monaten mal wieder unbeschwert.
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Gewusst?
Riesen mit Kuschelbedürfnis
Wegen ihrer abgelegenen Lage haben die Seychellen keine aussergewöhnliche Tierwelt – ausser den Riesenschildkröten. Die Kolosse, die über 100 Kilogramm wiegen und älter als Menschen werden können, leben nur noch auf wenigen der entfernteren Inseln in freier Wildbahn. Überall begegnet man sie allerdings als Haustiere. Nicht wundern, wenn sie auf einen zukriechen: Sie lieben es, am Hals gekrault zu werden.
Die Welt mit ihren Problemen und die erschreckenden Nachrichten zur Corona-Pandemie sind hier ganz weit weg. Und noch etwas beruhigt mich. Im Gegensatz zur Schweiz ist hier die Gefahr einer Ansteckung äusserst gering.
Durch strickte Massnahmen und einer überschaubaren Einwohnerzahl (auf den 115 Inseln leben etwa 90 000 Menschen) gab es insgesamt nur 1500 Fälle. Und die Behörden setzen alles daran, dass es nicht zu einer zweiten Welle kommt. Wer ins Land reist, muss einen negativen Coronatest vorlegen und muss sich neuerdings vor Ort am fünften Tag einem weiteren Test unterziehen.
Leider haben sich für Reisende aus der Schweiz mittlerweile die Einreiseformalitäten verschärft. Nun gilt eine sechstägige Quarantäne im gebuchten Hotel (in der Anlage, nicht im Zimmer). Erst wenn ein zusätzlicher Coronatest negativ ausfällt, darf man das Gelände verlassen.
Einreiseerleichterungen sind in Sicht
Aber Erleichterungen sind in Sicht: Die seychellischen Behörden haben angekündigt, dass geimpfte ohne Quarantäne einreisen dürfen. Zudem sollen die Einreisebestimmungen weiter erleichtert werden, wenn ein Grossteil der Bevölkerung geimpft wurde. Dies soll laut der Regierung Ende März der Fall sein.
Was aber, wenn man doch in Quarantäne müsste? Das heisst es: Augen auf bei der Hotelwahl! Wer sich in einem sonst empfehlenswerten privaten Guesthouse einquartiert, dem fällt vielleicht am zweiten Tag schon die Decke auf den Kopf. In der derzeitigen Situation kommen nur die grossen Resorts in Frage, in denen es innert der sechs Tage kaum langweilig werden sollte.
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Wichtigstes Kriterium bei der Auswahl ist der hoteleigene Strand. Denn die Seychellen sind eine klassische Beachdestination zum Entspannen. Die kulturellen oder geschichtlichen Sehenswürdigkeiten des Landes hat man schnell gesehen. Für die Besichtigung der kolonialen Hauptstadt Victoria auf der Hauptinsel Mahé braucht man beispielsweise gerade mal eine halbe Stunde.
Lese-Tipps
Was bieten die verschiedenen Inseln der Seychellen? Unseren Insel-Guide gibt es hier.
In welches Resort soll man einchecken? Wir haben das Constance Lemuria getestet.
Der Fokus liegt eindeutig auf Beach-Hopping. Sprich, Auto mieten und die schönsten Strände erkunden. Mein Tipp: Auch wenn es schwerfällt, sich vom Meer loszureissen, sollte man sich zu einer Wanderung durch den Dschungel aufraffen (Zumindest auf den wichtigsten Ferieninseln Mahé, La Digue und Praslin gibt es markierte und ausgebaute Wege). Das Pflanzendickicht, die Blätter, die teilweise so gross wie ein Doppelbett sind, und die unbekannten Geräusche sind beeindruckend.
Keine Sorge, auf den Seychellen kreucht und fleucht nichts Gefährliches durchs Unterholz. Selbst die handtellergrossen Spinnen, die an den Stromleitungen ihre Netze bauen, sind harmlos. Überhaupt wird hier 7 Grad südlich des Äquators alles riesig. Nicht nur die Schildkröten (siehe Box), sondern auch die Kokosnüsse. Die Coco de Mer der endemischen Seychellenpalme bringt bis zu 25 Kilogramm auf die Wage, der gösste Samen der Welt. Und wahrscheinlich der erotischste. Die Nuss erinnert an ein weibliches Knackfüdli, weswegen sich um sie viele Legenden rankten.
Einst behauptete man, sie sei die Frucht, von der Adam und Eva im Garten Eden assen. Wie in jeder Geschichte steckt auch in dieser ein Funken Wahrheit: Wie im Paradies fühlt man sich auf den Seychellen immer noch.
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Mein persönliches Fazit
Für alle, die gute Resorts und Traumstrände lieben, sind die Seychellen sicherlich «the place to be». Auch ich habe meine einwöchige Reise sehr genossen. Der Mix aus gutem Service, dem tropische Inselflair und Strände wie aus dem Bilderbuch lassen vor einmal alle Sorgen vergessen. Allerdings haben die Inseln nicht viel Erkundungs-Potential. Nach mehr als einer Woche würde es mir wahrscheinlich langweilig werden. Aber eben: Ich bin kein ausgesprochener Beach-Typ.
Pro
Einige der schönsten Strände der Welt
Eine grosse Auswahl an Top-Resorts
Die Resorts bieten eine grosse Palette an Wasser- und Landaktivitäten
Ein hoher Lebensstandard (im Gegensatz zu anderen afrikanischen Ländern)
Direktflug aus der Schweiz
Con
Die Seychellen sind keine Budget-Destination: Das Preisniveau der Resorts ist höher als an anderen Beachdestinationen
Abseits von Strände und Meer bieten der Archipel wenig Sehenswürdigkeiten
Für Ausflüge auf eigene Faust benötigt man einen Mietwagen
Travel Basics
Hinkommen Edelweiss Air fliegt jeweils freitags nach Mahé.
Reinkommen Zur Einreise genügt ein Reisepass. Weitere Informationen erhalten Sie auf folgender Seite: travelseychelles
Rumkommen Es lohnt sich, das Resort zu verlassen und die Inseln zu erkunden. Dazu braucht es einen Mietwagen, der von der Unterkunft organisiert werden kann.