La Réunion gehört zu Frankreich, und man kann in diversen Restaurants auf der ganzen Insel die gute französische Küche geniessen. Spannender ist es aber, kreolisch zu essen, eine einfache, lokale, schmackhafte Küche. Bei einem Kochkurs erhält man einen ersten Einblick.
Kreolisch bezeichnet eine Kultur, Sprache und Identität, die aus der Vermischung europäischer, afrikanischer und indigener Bevölkerungen und ihrer Einflüsse während der Kolonialzeit entstanden ist. Diese Mischkultur trifft man sowohl in gewissen afrikanischen Ländern als auch in vielen Regionen, in die einst afrikanische Sklaven verschleppt wurden: in der Karibik, in Lateinamerika oder auch im US-Bundesstaat Louisiana. Auf der Insel La Réunion, einem französischen Departement im Indischen Ozean, zwischen Madagaskar und Mauritius gelegen, wird ein stark vom Französischen geprägtes Kreolisch geredet, das für uns aber nur schwer verständlich ist.
Die kreolische Küche auf La Réunion ist simpel und sehr nahrhaft, weil sie für Menschen gedacht war, die in den Zuckerrohr-Plantagen härteste Arbeit leisteten. Sie basiert ausschliesslich auf lokalen Produkten, wie wir bei einem kulinarischen Event erfahren haben. Sophie Riviere und ihr Sohn Nathan betreiben in ihrem Privathaus oberhalb des Dorfes Les Avirons das «Atelier Culinaire – Le Goût Kréol». Hinter dem Haus grunzt ein dickes Schwein zufrieden; Gänse, Hühner, ein Hahn und mehrere Katzen bevölkern den Garten.
Foto: Artur K. Vogel
Das Hausschwein, genannt «Junior», werde nie in der Pfanne enden, versichert Nathan, der hauptberuflich als Logistiker am Hafen arbeitet. Ein anderes Schwein hingegen wird für unseren deftigen Hauptgang herhalten müssen. Für jene, die kein Schweinefleisch mögen, gibt es Crevetten. Als Beilagen bereiten wir weissen Reis, Linsen und pürierte Aubergine zu. Bevor wir uns an die Schneidebretter und Kochtöpfe begeben, gibt es ein Stück eines Kartoffelkuchens, das für sich selber schon als Hauptmahlzeit genügen würde.
Sophie und Nathan haben grossen Erfolg mit ihrem Kochatelier. Für maximal zwölf Gäste aufs Mal ist Platz; oft ist das Angebot lange im Voraus ausgebucht. Vor allem Touristen und Langzeitgäste machen davon Gebrauch. Hier ist das Menü, das wir im Atelier Culinaire zubereitet haben.
Porc à l’ancienne (Schweinefleisch nach Grossmutterart)
Zutaten für 6 bis 8 Personen
1 kg Schweinefleisch (z.B. Bauch, Schulter oder Nacken; auf La Réunion nimmt man alles, was man gerade bekommt) 500 g Kartoffeln 3 dl Raps- oder Sonnenblumenöl (oder 300 g Bratbutter) 1 dl Olivenöl5 Rosmarinzweige 1 ganzer Knoblauch 1 Strauss Thymian Salz und Pfeffer
Zubereitung
Raps- oder Sonnenblumenöl bzw. Bratbutter in einem grossen Topf erhitzen (über dem Feuer, falls vorhanden, sonst auf dem Gas- oder, wenn nicht anders möglich, Elektroherd) Kartoffeln schälen und in Würfel schneiden Schweinfleisch in grosse Stücke zerteilen, zusammen mit den Rosmarinzweigen rundum goldbraun anbraten Thymian entblättern, den Knoblauch schälen und zerstampfen, mit Salz, reichlich Pfeffer und dem Olivenöl vermischen Die Mischung mit dem gebratenen Fleisch vermengen Wasser beigeben, bis das Fleisch zugedeckt ist ½ Std. auf mittlerem Feuer kochen lassen Dann die gewürfelten Kartoffeln beifügen Nochmals ½ Std. kochen lassen Nach Belieben mit Salz und Pfeffer würzen Mit weissem Reis und Gemüse nach Wahl (Karotten, Sellerie, Maniok usw.) servieren.
Foto: Artur K. Vogel
Crevetten-Carry (Eintopf)
Zutaten für 6 bis 8 Personen
1 kg Riesencrevetten in der Schale (frisch oder tiefgefroren) 1 ganzer Knoblauch 2 grosse rote Zwiebeln 2 EL schwarzer oder weisser Pfeffer 150 g Ingwer 2 Muskatnüsse 6 Gewürznelken 2 Chili-Schoten (mehr oder weniger, je nach gewünschter Schärfe) 1 Büschel Thymian 2 EL Kurkuma-Pulver 2 – 3 Tomaten
Zubereitung
Zwiebeln und Knoblauch schälen und feinhacken bzw. zerstampfen Ingwer raspeln Muskatnüsse reiben Chili-Schoten in feine Streifen schneiden Thymian zupfen Tomaten in kleine Würfel schneiden Krevetten dem Rücken entlang aufschneiden und den Darm herausnehmen; Kopf entfernen Alle Zutaten ausser Krevetten, Thymian, Tomaten und Kurkuma mischen und mit dem erhitzten Öl in einer grossen Pfanne anrösten Thymian, Tomaten, Kurkuma und eine Tasse Wasser beigeben 10 Min. aufkochen Am Schluss die ungeschälten (gibt ein intensiveres Aroma) Krevetten zwei Min. mitkochen Mit weissem Reis, Linsen und pürierter Aubergine servieren
Foto: Artur K. Vogel
Linsen
Zutaten
250 g Linsen (auf La Réunion verwendet man die lokalen Cilaos-Linsen; können durch grüne oder durch Puy-Linsen ersetzt werden) 1 rote Zwiebel 6 Knoblauchzehen 1 Büschel Thymian 2 EL Kurkumapulver Salz 1 EL Olivenöl
Zubereitung
Linsen in Wasser kochen, bis sie weich, aber noch bissfest sind Überschüssiges Wasser abgiessen Zwiebel und Knoblauch schälen und feinhacken bzw. zerstampfen Thymian zerzupfen Mit dem Salz und Olivenöl mischen Unter die Linsen geben Kurz aufkochen Nach Belieben abschmecken
Foto: Artur K. Vogel
Auberginen-Püree
Zutaten
1 grosse Aubergine 1 Chili-Schote 1 EL Olivenöl 1 EL Weinessig 1 rote Zwiebel
Zubereitung
Aubergine direkt im Feuer so lange rösten, bis die Schale schwarz verkohlt ist (Alternativ: 1 Std. bei 180 Grad im Backofen) Das weiche Fleisch aus der Schale löse Mit einer Gabel den fein geschnittenen Chili, die feingehackte Zwiebel, das Öl und den Essig unterziehen Nach belieben mit Salz und Pfeffer würzen
Foto: Artur K. Vogel
Kartoffelkuchen
Zutaten
1 kg Süsskartoffeln (weiss oder rot) 2 Eier 100 g Zucker 120 g Mehl 125 g geschmolzene Butter 1 dl Rhum
Zubereitung
Süsskartoffeln weichkochen, schälen, zerstampfen Eier schaumig schlagen Mit den Kartoffeln, Zucker, Mehl und Butter gut vermischen Die Masse in eine flache, gebutterte Form geben und 1 Std. bei 160 Grad backen 1 Std abkühlen lassen In Portionen zerschneiden Mit frischen Früchten (z.B. Mango- oder Ananasstücke), eingelegten Pfirsichen, Birnen oder einer Kugel Vanilleglace servieren.
Foto: Artur K. Vogel
Kreolische «Piña Colada»
1 Dose gezuckerte Kondensmilch und eine Dose (gleiche Menge) Kokosmilch in eine leere Flasche geben; diese zuschliessen und die Flüssigkeit gut durchschütteln. Eine Vanilleschote und weissen Rum nach Belieben zugeben und über Nacht im Kühlschrank aufbewahren. Nochmals durchschütteln und eiskalt oder mit Eiswürfeln servieren.